Verfasst von: aeropersredaktion | 25/11/2010

Wenn Piloten übermüdet sind, wird’s gefährlich

Der Tages-Anzeiger berichtete vor drei Tagen online, dass die Swiss für ihre Wachstumspläne 100 neue Piloten benötigt, dass AEROPERS allerdings der Meinung ist, bei den jetzigen Arbeitsbedingungen sei dies sehr schwierig. In den Kommentaren zum Artikel war dann von Jammern auf hohem Niveau die Rede, dass es Lehrern, Pflegern, Krankenschwestern, Ingenieuren, Polizisten mit der Arbeitsüberlastung gleich gehe und dass wir Piloten arrogant und hochnäsig seien. Diese Reaktionen treffen uns sehr. Einen Menschen als arrogant und hochnäsig zu bezeichnen, bloss weil er oder sie Pilot ist, ist ein starkes Stück, und wir fragen uns, welche Erfahrung dort dahinter steckt. Wir können darüber nur rätseln. Den anderen beiden Vorwürfen haben wir etwas entgegenzusetzen. Erstens rechtfertigen langfristig unzumutbare Arbeitsbedingungen in einem Beruf nicht gleich schlechte Bedingungen im anderen. Stattdessen sollten wir uns überall für zumutbare Arbeitsbedingungen engagieren.

Zweitens zeigt der CNN-Videobeitrag hinter dem folgenden Link recht eindrücklich, was Ermüdung (aufgrund von Überarbeitung) bedeuten kann. Zitat: „Fatigue is a dangerous thing. It has caused many accidents.“ Es werden zwei Flugzeugabstürze genannt, die auf vermutliche Überarbeitung der Piloten zurückgeführt wurden: Industry Battles Over Pilots Rules (CNN-Video)

Wer fliegt oder Verwandte und Freunde hat, die fliegen, muss ein starkes Interesse an vernünftigen Arbeitsbedingungen bei uns Piloten haben. Niemand will von einem gestressten oder überarbeiteten Piloten durch die Luft geflogen werden. Deshalb haben wir auch die Kampagne für Zuverlässigkeit lanciert. Nicht nur wollen wir unseren Familien gegenüber wieder zuverlässig sein können. Wir können auch als Piloten nur zuverlässig unseren Job machen, wenn wir zwischendurch genug Erholung finden. Zuverlässigkeit kommt vor Sicherheit. Und dafür braucht es vernünftige Arbeitsbedingungen. Machen Sie mit. Unterstützen Sie uns, indem Sie uns auf Facebook oder Twitter folgen und sich bei Aufrufen zu Solidaritäts-Aktionen beteiligen.


Responses

  1. Wenn ich Piloten so reden höre, dann sind sie nicht übermüdet, weil sie zu viel arbeiten, sondern weil sie ihre doch reichlich bemessene Ruhezeit und Freizeit daheim und unterwegs nicht nutzen um sich zu erholen. Da ist zum Beispiel viel die Rede von anstrengendem Shopping in den USA (Apple! Apple! Apple! Kleider!) und von intensiven ähmmm räusper Bekanntschaften in Asien und Afrika. Man macht auf Tauchen, geht auf Safari und fährt auch mal ein paar Stunden je hin und zurück zu Sehenswürdigkeiten. Daheim in der Schweiz haben die meisten dann noch mindestens einen zweiten Job bei einer Flugschule oder im Skyguide Training Center oder sind noch mit einer eigenen Firma selbständig (scheinbar beliebt: Luxusartikelhandel, Restaurant). Kein Wunder, sind die Aeropers-Piloten übermüdet!

    Was mich als Pilot wirklich müde machen würde, wäre die lausige Planung der Einsätze. Wieso akzeptiert die Aeropers, dass Einsätze für den nächsten Monate erst gegen Ende das Vormonats bekannt werden? Das ist doch deutsches Linienfluggeschäft und nicht afrikanische Business Aviation!

  2. Die Darstellung ist zwar übertrieben, allerdings auch nicht ganz lebensfremd. Je nach Dauer des Layover sind unsere Piloten natürlich nicht 24 oder 36 Stunden lang non-stop in einem Hotel. So lange ist ein Ausruhen am Stück nicht möglich, und immer nur im Hotel zu sein, ist ab einer gewissen Zeit dann auch keine Erholung mehr. Piloten sind ja nicht „inhaftiert“. Deshalb verlassen sie bei ausreichend langen Layovers durchaus auch mal das Hotel, gehen einkaufen oder etwas essen. Und sicher ist es auch so, dass man – wenn man das erste Mal in Bangkok oder sonstwo ist – auch Sehenswürdigkeiten besucht. Beim x-ten Mal ist das dann aber schon nicht mehr so interessant. Also was ist daran unnormal, und was hat das mit der erforderlichen Erholung zu tun bzw. wieso würde es der Erholung widersprechen? Man darf dabei auch die Zeitumstellung etc. nicht vergessen, die einen nicht sofort ins Bett zieht, logisch! 
     
    Zu den Nebenjobs: diese gibt es vor allem aus der Zeit des Groundings, als man sich sich nach Alternativen umschauen musste. Die meisten Piloten jedoch sind Piloten und nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Nennung von Luxusartikeln oder Restaurants ist tendenziös. Es mag ja durchaus schon mal vorkommen, aber es ist ein weiteres Klischee, welches so gerne herangezogen wird und die Realität sieht anders aus. Es ist wichtig, sich nicht von einzelnen Dingen den Blick aufs Ganze versperren zu lassen. Und der Betrachtungszeitraum der Erholung ist nicht auf einzelne Einsätze beschränkt, sondern muss über eine 30jährige Karriere betrachtet werden.

    Die Einsatzplanung akzeptieren wir im übrigen so nicht. Unter anderem deshalb fordern wir bessere Arbeitsbedingungen – und dazu gehören unzweifelhaft die Planung der Einsätze, deren Stabilität und Zuverlässigkeit der Planung.


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