Verfasst von: aeropersredaktion | 13/12/2010

Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Piloten könnten im sich abzeichnenden globalen Pilotenmangel für die Swiss «zum Bumerang» werden

Willkommen an Bord!

AEROPERS SwissALPA, unser Verband der Airbus-Piloten der Swiss, veröffentlicht viermal im Jahr die „Rundschau„. Darin werden Themen behandelt, die uns Piloten betreffen, aber indirekt auch alle Passagiere. Denn wenn die Arbeitsbedingungen so schlecht sind, dass es an Nachwuchs fehlt, dann steht langfristig auch die Zuverlässigkeit auf dem Spiel.

In der aktuellen Ausgabe geht es denn auch um Themen wie Arbeitsbedingungen, Nachwuchsmangel, Weiterbildung, die Realität des Pilotenberufs, Entscheidungsfindung, sowie die Anfänge und Dimensionen von Streiks – auch Pilotenstreiks – in Europa.

Unsere Rundschau ist umfangreich. Um dem schnelllebigen Medium Internet gerecht zu werden, veröffentlichen wir auf diesem Blog in den kommenden Wochen häppchenweise einzelne Beiträge im Originaltext plus einleitender Zusammenfassung. Wem das zu lange dauert, kann die Rundschau auch in voller Länge als pdf von unserer Website runterladen: www.aeropers.ch

Unser erster Beitrag der aktuellen Rundschau-Serie ist das Editorial von Jürg Ledermann.

Viel Vergnügen beim Lesen, wünscht,

Ihr AEROPERS-SwissALPA Redaktionsteam

Editorial

Die Swiss war in letzter Zeit häufig in den Medien präsent und glänzte mit positiven Nachrichten. Besonders das dritte Quartal fiel ausgezeichnet aus und beeindruckte auch sonst eher kritische Experten. Die Vergrösserung der Langstreckenflotte wird als konsequente Verfolgung der Strategie

gewertet und als Zeichen für die Stärke der Swiss und ihres Heimmarktes gesehen. Neben der guten Berichterstattung drangen aber auch kritische Berichte über die Arbeitsbedingungen des fliegenden Personals an die Öffentlichkeit. Der Pressespiegel auf Seite 5 fasst diese Meldungen zusammen. Bei der Durchsicht wird deutlich, dass der Lack der schönen Fassade der Arbeitgeberin Swiss an Glanz verloren hat.

Als eine der grössten Baustellen stellt sich die Schulung der Piloten heraus. Tobias Mattle beleuchtet in «Pilot gesucht!», wie hausgemachte Schwierigkeiten für einen chronischen Mangel an einsatzfähigen Piloten sorgen. Was uns schon seit Jahren belastet, wird die unhaltbaren Einsatzbedingungen auch in Zukunft diktieren und die Ferienschuld konstant hochhalten.

Wie Mattle berichtet, hat die Swiss noch kein Problem bei der Rekrutierung junger Kollegen. Allerdings gibt Urs Schöni, Leiter der Pilotenschule SAT, zu bedenken, dass die SAT im Jahr 2010 nicht mehr alle Ausbildungsplätze füllen konnte, obwohl rund 40 Prozent der Trainees aus der EU kamen. Gründe für den Mangel an einheimischen Aspiranten seien das lädierte Image des Pilotenberufs in der Schweiz und die Tatsache, dass die Schüler einen grossen Teil der hohen Ausbildungskosten selber berappen müssten. Peter Tilly betitelt seinen Bericht über die Ausbildung zum Piloten denn auch mit «Eine Leidenschaft, die finanzielle Leiden schafft». Er stellt fest, dass sich in der Schweiz kaum ein Beruf finden lässt, der die gleichen finanziellen Einstiegshürden kennt wie derjenige des Piloten. Tilly warnt, dass diese Umstände im Licht des sich abzeichnenden globalen Pilotenmangels für die Swiss «zum Bumerang» werden könnten.

Dass sich das Image des Pilotenberufs nicht erholen kann, liegt auch an den Arbeitsbedingungen der Airbus-Piloten, deren Überlastung und Unzufriedenheit nun Schlagzeilen gemacht haben. Der Bericht «Spass an der Arbeit und doch unzufrieden» beleuchtet die Thematik und löst den scheinbaren Widerspruch auf, dass trotz hoher Motivation und eines tollen Arbeitsplatzes die Zufriedenheit bei der Arbeit stark leiden kann.

Wenn die Unzufriedenheit zu gross wird und über die üblichen Wege keine Verbesserungen der Arbeitsbedingungen erzielt werden können, kann als letztes Mittel zum Instrument des Arbeitskampfs gegriffen werden. Tobias Mattle erläutert die Anfänge und Dimensionen von Streiks in Europa. Anhand des diesjährigen Pilotenstreiks bei der Lufthansa zeigt er verschiedene Aspekte und Problemstellungen im Arbeitskampf auf.

Auch Peter Tilly richtet seinen Blick nach Norden. Bei der Lufthansa, der Swiss und der Austrian Airlines werden die Möglichkeiten einer Weiterbildung verglichen – sei es aus beruflichen oder ausserberuflichen Gründen. Das Bedürfnis nach Weiterbildung ist enorm, denn knapp zwei Millionen Erwachsene besuchen in der Schweiz jährlich einen Kurs, so Tilly in «Weiterbildung im Blickpunkt».

Einen Versuch der Weiterbildung – oder zumindest der Horizonterweiterung – machen wir mit dem Artikel «The Challenge of Adequate Decision Making». Hier geht es um die Entscheidungsfindung einer anderen Art. Peter Ellenrieder meint, dass auch sogenannte Bauchentscheidungen durchaus zu einem guten Resultat führen können. Wichtig sei im Cockpit aber immer, dass Entscheidungen von beiden Teamplayern verstanden und getragen werden – mit dem übergeordneten Ziel einer sicheren Landung.

Eine abwechslungsreiche Lektüre wünscht Jürg Ledermann


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