Verfasst von: aeropersredaktion | 05/01/2011

Da haben wir wohl in ein Wespennest gestochen

Als Swiss-CEO Hohmeister kurz vor Weihnachten in den Medien einseitig, und ohne sich mit uns abzusprechen, einzelne Details zur Zwischenlösung bekannt gab, die wir ausgehandelt hatten, um einen Arbeitskampf vorerst vermeiden zu können, waren wir erst einmal geschockt über solch ein Mass an Unzuverlässigkeit. Was zuerst nach professioneller PR aussah, lässt uns mittlerweile fragen, ob er vielleicht an der Unternehmenskommunikation vorbei gehandelt hat. Denn zum einen gibt es Widersprüche zwischen Hohmeister und seiner Medienstelle (mehr dazu weiter unten) und letztendlich stellte sich sein Vorgehen als Bumerang heraus.

Nachdem wir mittels Social Media Kommunikation über die von ihm unterschlagenen Fakten informierten, wurden diese gestern vom Tages-Anzeiger (inkl. Berner und Basler Zeitung) aufgegriffen. Die Story hatte es anscheinend in sich, denn zahlreiche andere Medien griffen sie – zumindest online – dann auch noch auf: Cash, Handelszeitung, Bieler Tagblatt, Journal du Jura, Romandie News, wirtschaft.ch. Im Laufe des Tages änderte der Tagi die Schlagzeile von „Swiss kommt den Piloten entgegen“ zu „Dicke Luft zwischen Swiss und Piloten“.

Auch in den Kommentaren zum Tagi-Artikel ging es hoch her. Auf der einen Seite gab es die üblichen Schimpftiraden, an die wir uns mittlerweile gewöhnt haben. Sie stammen von Personen, die keine Ahnung von den Fakten haben und meinen, wir hätten die gleichen Arbeitsbedingungen und Löhne wie damals die Piloten vor der Deregulierung im Luftverkehr. Mit Klischees kommt aber niemand weiter.

Typisches Beispiel: „Bei den Netzwerkpiloten (nicht Billigflugpiloten) ist es immer das Gleiche, jammern, klönen und drohen auf höchstem Niveau. Wenn es um die Löhne geht versetzt sich diese Berufsgattung in die Pionierzeit der Fliegerei und schreit nach Sonderleistungen. Viele Menschen mit gleicher Ausbildung und ähnlicher Verantwortung arbeiten heute ungleichlang länger.“

Zum Glück gab es dann aber auch eine Menge Kommentare, die sich an die Fakten hielten. Beispiel: „Es ist bedenklich, wie naiv manche Leute sind. Als junger Pilotenanwärter wird mir ständig der Schoggi-Bruef vorgeworfen. Dass es dabei eine harte Selektion gibt und das Einstiegsgehalt einem Bauarbeiter ähnelt, kümmert niemanden. Der Vergleich mit Bussen ist nichtig! Was passiert, wenn beide Geräte still stehen? Ihr wollt auch nicht in ein Flugzeug steigen, wo Piloten übermüdet sind!“ Oder: „Bei dem Gehalt das die die Swiss – Piloten beziehen kann man nur eins sagen , es sind billige Discount Pilots.“ und „All jene, die den Job so unglaublich simpel (wie Bus fahren) finden und dazu noch von diesem unglaublichen Lohn und den tollen Arbeitszeiten profitieren möchten: Die Swiss sucht eine ganze Menge Piloten – siehe Homepage! Viel Glück! Und wenn es doch nicht klappt: Viele andere Airlines stellen sie auch dann noch an, wenn sie bei den Prüfungen bei Swiss durchgefallen sind. Jeder macht Fehler. Oder?“

Gestern war ein spannender Tag. Neben all den Berichten und Kommentaren haben wir auch viel Unterstützung erfahren dürfen. Und ganz besonders spannend waren die Widersprüche in der Kommunikation der Swiss. Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann bestätigte gegenüber dem Tagi, dass die von uns am 27. Dezember im Blog genannten Punkte Teil der Zwischenvereinbarung sind. Sie wollte diese aber nicht kommentieren: «Wir äussern uns nicht zu inhaltlichen Fragen rund um die GAV-Verhandlungen. Dies gilt auch für die Zwischenvereinbarung.» War es nicht ihr Chef Hohmeister höchpersönlich, der kurz vor Weihnachten den Medien Details zur Zwischenvereinbarung erzählte? Ist das schon Schnee von gestern oder gibt es hier unterschiedliche Auffassungen zwischen CEO und Unternehmenskommunikation? Wie auch immer, wir fliegen erstmal weiter und konzentrieren uns erstmal wieder auf Sicherheit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Willkommen an Bord.


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