Verfasst von: aeropersredaktion | 16/01/2011

Blizzard in New York am Stephanstag 2010 – wie ihn einer unserer Piloten erlebte

Von René Aebi, SF/O A330

Blizzard in New York am Stephanstag 2010

Unsere Rotation begann zu Weihnachten, genauer gesagt am 25.12.2010 in ZRH. Mit der LX16 flogen wir wie gewohnt nach New York. Alles verlief so wie erwartet und wir erreichten New York pünktlich bei Sonnenschein und eisig kalten Temperaturen.

Der 26. Dezember brachte dann etwas Schnee. Gepaart mit dem böigen Wind zeigte sich New York daher von einer eher unangenehmen Seite.

Um für den Flug fit zu sein, legte ich mich nach der kurzen Einkaufstour bereits am frühen Nachmittag hin zum Vorschlafen. Wie ich aufwachte, zeigte sich New York bereits recht winterlich.

Zur Pick Up Zeit erhalten wir im Hotel erste Informationen über die aktuellen Wetterverhältnisse auf unserer Strecke, sowie Teile unseres operativen Flugplanes. Mit diesen Informationen können wir uns bereits im Hotel eine Übersicht über den bevorstehenden Flug verschaffen. Wir studieren in der Lobby die Daten und sehen auf den Meldungen von New York bestätigt, dass ein Blizzard naht.

Wetterinfo von New York:

  • KJFK FT 261737Z TAF
  • 2618/2724 02015G25 KT 1SM –SN OVC010
  • TEMPO 2618/1620 3/4SM –SN OVC007
  • FM262000 36022G34 1/2SM SN BR BRN006 OVC007 WS020/03050KT
  • FM262200 36022G34 1/2 SM SN FZFG BKN006 WS020/02060KT
  • FM270000 36027G43 1/4 SM +SN BLSN FZFG VV003 WS015/01060KT
  • FM270600 33028G40KT 1SM –SN BLSN BR OVC 008 WS020/34050KT

Unsere Block Off Zeit ist um 23:05. Mit dem Enteisen und dem Verkehr in New York erwarten wir unseren Start gegen Mitternacht, genau zu der Zeit, als der starke Schneefall kommt. Dies bedeutet für uns ein Problem, da unsere Operativen Vorgaben, unser OM A, einen Start bei starkem Schneefall (+SN) verbieten.

Da wir aufgrund von dieser Information damit rechnen müssen, dass wir nicht starten können, meldet sich der Kapitän in Zürich bei der Einsatzleitstelle um deren Meinung einzuholen. Zu dem Zeitpunkt sind bereits alle lokalen Verbindungen nach JFK gestrichen worden. Von uns wird verlangt, erstmals zum Flughafen zu gehen, um die Situation vor Ort mit der lokalen Planungsstelle von Swiss zu besprechen.

Auch die Planungsstelle in New York meint, dass wir probieren sollten, den Flug zu machen. Sie sind sehr optimistisch, dass es kurzzeitige Verbesserungen geben kann.

Auch wir als Crew wollten unser Bestes geben, den Flug wie geplant nach Zürich zu bringen, und gingen so aufs Flugzeug und hofften, noch vor dem staken Schneesturm New York verlassen zu können.

Boarding der Crew

Die Erste ATIS (lokale Wettermeldung) zeigte uns noch moderaten Schneefall an, mit diesem Wetter könnten wir noch starten.

Im Cockpit beschäftigen wir uns in der nächsten Phase mit den unterschiedlichsten Gegebenheiten:

  • Pistenbericht der USA entziffern und interpretieren
  • Wettermeldungen ATIS analysieren
  • Benötigen wir einen Take Off Alternate?
  • Wie funktioniert das Enteisungsverfahren in New York?
  • Was hat der starke Wind für einen Einfluss auf die Hold Over Time (wie lange bleibt die vor Eis schützende Schicht auf dem Flügen bei dem Wind)
  • Etc.

Die Kabine musste dagegen erstmals Ihre Bordküche enteisen. Was hinten auf dem Flugzeug gelaufen ist, hatten bisher auch die erfahrensten Kolleginnen und Kollegen noch nie erlebt.

Die Situation war immer noch gut, jedoch waren wir uns im Cockpit bewusst, dass es in jedem Moment zu den starken Schneefällen kommen kann und wir in New York bleiben müssen. Wir versuchten unser Möglichstes und gaben das OK zum Boarding. Wie dann alle Passagiere an Bord waren, ist es passiert.

Die ATIS meldet +SN FZFG (starken Schneefall und moderaten gefrierender Nebel) und dazu sehr viel Wind. Nun ist es soweit, wir annulieren den Flug vom Cockpit aus, da ein Start nicht mehr möglich ist!

Unsere Gäste an Bord wurden entsprechend informiert, der Stationsleiter organisierte Hotels für Passagiere und Crew. Da der Terminal zu der Zeit schon sehr voll war, behielten wir die Gäste an Bord bis der Transport zu den Hotels organisiert war. Die Kabinenbesatzung führte einen Abendessen Service durch.

Daraufhin ging alles recht schnell, zuerst war der Flughafen komplett geschlossen, danach wurden alle Strassen um den Flughafen gesperrt. Alles kam zum Stillstand, der Schneesturm war zu stark. Für uns war klar, so schnell werden wir da nicht wegkommen.

Die meisten Passagiere stiegen dann aus, einige kamen noch zurück, um Decken und Kissen zu holen, da man sich auf eine lange Nacht einstellen musste. Die F und rund 20 C-Passagiere zogen es vor, an Bord zu bleiben und da zu übernachten. Für mich wird dies der erste Nachtflug, bei dem wir uns keinen Meter weit bewegen. Der Wind schaukelt unser Flugzeug in den Schlaf und dank abgestellten Motoren war es angenehm ruhig. Zur Sicherheit war stets ein Pilot im Cockpit und auch die Kabinencrew teilte sich die Nacht in Schichten auf, damit stets jemand wach war. Alle anderen konnten auf den leeren C-Sitzen schlafen oder Filme schauen. Dank APU, war es angenehm an Bord. Morgens servierten die First Class FA’s in der ersten Klasse noch das volle Frühstück. Um 8:00 baten wir dann alle Passagiere das Flugzeug zu verlassen. Wir blieben aber noch an Bord, da der Transport auf dem Land immer noch nicht möglich war, und wegen des Windes konnte auch das Gepäck nicht ausgeladen werden.

Um 13h haben wir dann das Flugzeug, die A330-300 „St. Gallen“, verlassen, nachdem wir also 20 Std. an Bord gewesen waren.

Wir fuhren dann mit dem Bus (und unseren Koffern) zurück ins Radisson, das Wetter war inzwischen wieder schön, die Strecke erstaunlicherweise gut und die Landschaft traumhaft weiss. In Manhattan waren aber die Strassen noch voller Schnee und an der Ecke Park/33te bleib unser Bus stecken, durch einen Rieseneffort der Crew schafften wir es, den Bus im Schnee anzuschieben und kamen kurz darauf im Hotel an.

Wir hatten daraufhin weitere 24 Stunden in New York, die Zeit benötigten wir auch um uns zu erholen!


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