Verfasst von: aeropersredaktion | 04/02/2011

Lärmschutz im Cockpit – AEROPERS ergreift Sicherheitsmassnahme auf eigene Initiative

Kaum jemand ist sich dessen bewusst, aber es gibt Ermüdung nicht nur durch Überarbeitung oder Mangel an Erholung, sondern auch durch Lärm. Zum Beispiel führt permanenter Lärm im Cockpit zu Stress und Ermüdung (siehe dazu weiter unten auch den Artikel des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin). Lärm kann also die Reaktions- und Aufnahmefähigkeit eines Piloten stark einschränken. Und zwar sowohl kurzfristig, vor allem aber auch langfristig. In unserem Magazin, der Rundschau hatten wir das im Jahr 2007 schon einmal thematisiert (pdf).

Um dem entgegenzutreten, werden Piloten – z.B. bei der REGA – normalerweise vom Arbeitsgeber mit einem Gehörschutz ausgestattet. Dies halten auch wir für den richtigen Weg. Unsere Arbeitgeberin, die Swiss, hat sich dieses Themas bis dato aber noch nicht angenommen.

Um dennoch zuverlässig die Sicherheit auf dem höchstmöglichen Niveau halten zu können, haben wir als Pilotenverband nun beschlossen, uns der Sache selbst anzunehmen. Denn, genauso wie unsere Passagiere, haben wir ein grosses Interesse daran, die Ermüdungsfaktoren im Flug so gering wie möglich zu halten  – was ja eigentlich auch ureigenstes Interesse der Firma sein sollte….

Wir haben eine Aktion für unsere Mitglieder ins Leben gerufen, in der wir zusammen mit einem Anbieter für Gehörschutz einen solchen für einen vergünstigten Preis anbieten können. Bis dato haben sich 154 Piloten angemeldet bzw. waren bereits vor Ort.

Hier noch der Artikel des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin:

Stress und Ermüdung im 2-Mann-Cockpit

Die Entwicklung neuer Flugzeugtypen für extrem lange Non-Stopp-Flüge und die Umgestaltung des Cockpits aufgrund des Einsatzes moderner Technologien („Glass Cockpit“) bei gleichzeitiger Reduzierung der Besatzungsstärke (2-Mann- Cockpit) führen zu speziellen Anforderungen an die Piloten. Ihre Tätigkeit umfasst bei diesen Randbedingungen vor allem Arbeiten, die hohe Konzentration und Aufmerksamkeit über eine lange Zeitdauer (bis zu 14 Std.) erfordern.

In mehreren Studien (2 transmeridiane und eine Nord-Süd-Route) wurden flugmedizinische Untersuchungen durchgeführt, die zum Ziel hatten, Änderungen verschiedener Körperfunktionen in Abhängigkeit von der Flugzeit zu erfassen. Insgesamt waren 50 Piloten auf 100 Flügen an den Untersuchungen beteiligt. Neben subjektiven Erhebungen zur Arbeitsbelastung und Ermüdung wurden objektive Messungen (Gehirnströme (EEG), Augenbewegungen (EOG) und EKG) kontinuierlich durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitsbelastung im Cockpit akzeptabel ist. Dagegen nahm die Ermüdung insbesondere bei Nachtflügen (vermehrte Angaben höherer Ermüdungsgrade, vermehrtes Auftreten von Mikroschlaf) erheblich zu. Bei allen Nachtflügen von mehr als 10 Std. Flugdienstzeit und bei Tagflügen von mehr als 12 Std. Flugdienstzeit muss man (aufgrund der Untersuchungen) zu dem Schluss kommen, dass bei einer 2-Mann-Cockpit Crew die Grenzen der physischen und mentalen Belastbarkeit erreicht werden.

Eine ausführlichere Zusammenfassung der Studienergebnisse finden Sie an dieser Stelle.


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