Verfasst von: aeropersredaktion | 10/05/2011

Sekundenschlaf bei Tramfahrern wegen zu wenig Pausen

Der folgende Artikel erschien soeben online im Tages-Anzeiger. Wegen der vielen Parallelen – zu wenig Erholungsmöglichkeiten gefährden die Sicherheit, und zu wenig Erholung gibt es unter anderem, weil es wegen mangelnder Attraktivität des Berufs zu wenig Anwärter gibt; und das wird vom Arbeitgeber weitgehend abgestritten – veröffentlichen wir den Artikel in voller Länge, nicht ohne Quellenverweis: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Sekundenschlaf-bei-Tramfahrern-wegen-zu-wenig-Pausen/story/15113196

Sekundenschlaf bei Tramfahrern wegen zu wenig Pausen

Von Jvo Cukas. Aktualisiert vor 15 Minuten

Die VBZ-Chauffeure wehren sich gegen den Vorwurf, verwöhnt zu sein. Vor allem die Pausenregelung könne zum Sicherheitsproblem für Verkehrsteilnehmer und Passagiere werden.

Ein Durchschnittsgehalt von 82’000 Franken, bis zu 124 Minuten täglich Pause an den Wendehaltestellen und ein Generalabonnement erster Klasse: Eine Vielzahl von Tagesanzeiger.ch-Lesern hält die Arbeitsbedingungen der VBZ-Chauffeure für mehr als gut. Die Forderungen der Gewerkschaft VPOD stossen deshalb auf wenig Verständnis. Die Bus- und Tramfahrer wehren sich vehement gegen diese Darstellung, welche auch Stadtrat Andres Türler und VBZ-Direktor Guido Schoch an einer gestrigen Pressekonferenz kolportierten.

Für Tramfahrer und VPOD-Mitglied Peider Filli ist vor allem die Pausenregelung fragwürdig. Es gebe zwar Endhaltestellen, bei denen Fahrer rund zehn Minuten Pause machen könnten. Der Regelfall sei dies nicht. Oft habe man wegen des dichten Fahrplans nicht mehr als drei Minuten Wendezeit. Dies reiche knapp, um kleine Verspätungen aufzuholen. Es komme durchaus vor, dass man auf gewissen Strecken während der Stosszeiten «fünf Stunden lang im Tram sitzen bleiben muss.» Filli macht sich vor allem Sorgen um die Sicherheit von Fahrgästen und Verkehrsteilnehmern. Nach vier Stunden lasse die Konzentration des Fahrers merklich nach, es gebe auch Sekundenschlaf. Und: «Wir steuern ein tödliches Gefährt.»

Stopp-And-Go braucht mehr Konzentration

Auch ein Busfahrer, der namentlich nicht genannt werden will, bestätigt Fillis Argumente. Ein Vergleich der Arbeitsbedingungen mit anderen Transportunternehmen hinke. In der Stadt sei man stets im Stopp-And-Go-Verkehr, müsse sich ständig massiv konzentrieren. Er sei früher auch Lastwagen gefahren und jene Belastung empfinde er als geringer. Und: «Wenn Sie Kies transportieren, kann dieses nicht zu Ihnen nach vorne kommen und reklamieren.»

VBZ-Sprecherin Daniela Tobler sagt dazu: «Wir können mittels GPS von der Leitstelle genau ermitteln, wie lange ein Tram und Bus als Wendezeit zur Verfügung hat.» Man habe über diese Zahlen in der laufenden Mediation diskutieren wollen, der VPOD habe den Verhandlungstisch aber verlassen. Dazu ob die ermittelten Zahlen die Darstellung der Chauffeure stützen, äussert sie sich nicht.

Tramchauffeur Filli stellt sich denn auch die Frage, ob die Arbeitsbedingungen wirklich so gut sein können, wenn man «immer wieder Jobs ausschreiben» müsse. VBZ-Sprecherin Tobler sieht dies anders. Es stimme zwar, dass man immer wieder Stellen ausschreibe. Dies hänge aber mit «dem grossen Mehrbedarf an Fahrern zusammen.» Die Fluktuationsrate bei den VBZ-Chauffeuren betrage drei Prozent, dies sei «als gering einzustufen.»

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