Verfasst von: aeropersredaktion | 27/06/2011

Macht die Swiss PR zulasten allgemein anerkannter Sicherheitsstandards – sind sie ihr egal?

20 Minuten bat uns heute um ein Statement zum Thema Seniorität. Wie wir überraschend erfuhren, versuchte die Swiss, nachdem ihr langsam die Argumente ausgehen, den Spiess umzudrehen, und uns die Schuld am Pilotenmangel zuzuschieben. Die Swiss behauptete laut 20 Minuten, das Senioritätsprinzip, an dem allein die AEROPERS festhalte, sei am Pilotenmangel schuld. Sie unterschlug, dass auch das Swiss-Management an diesem festhält. So, wie alle vernünftigen Airlines und alle Pilotengewerkschaften. Ist das Senioritätsprinzip schuld am Pilotenmangel? Diese Frage haben wir schon am 30. März beantwortet: Nein!

Wenn einem die Argumente ausgehen, sollte man besser keine Rundumschläge austeilen, schon gar nicht, wenn diese zulasten der Sicherheit von Personal und Passagieren gehen könnten. Indem die Swiss – oder deren Kommunikationsabteilung – das Senioritätsprinzip als Ursache für den Pilotenmangel heranzieht, provoziert sie Kritik an diesem Prinzip, das weltweit als ganz entscheidend für die Flugsicherheit angesehen wird. Das kann doch eigentlich niemand wollen.

Für den Laien mag es nicht auf den ersten Blick erkennbar sein. Doch das Senioritätsprinzip sorgt dafür, dass es im Cockpit nicht zu Missverständnissen kommt, und dass alle „auf einer Linie“ sind, damit sicherheitsrelevante Entscheidungen schnell und ohne Reibereien gefällt werden können. Am Senioritätsprinzip halten deshalb viele Airlines und Pilotengewerkschaften fest. Sicherheit kommt zuerst!

Die Kommunikationsabteilung unterschlägt deshalb eben auch, dass alle bei der Swiss, die etwas vom Fliegen verstehen, am Senioritätsprinzip festhalten, nicht nur wir. Und sie unterschlägt, dass wir (AEROPERS) in Abweichung dieses Prinzips einmal eine Ausnahme machten und zustimmten, dass Piloten unter Umgehung des Senioritätsprinzips eingestellt werden durften. Konkret durften diese direkt Langstreckenflüge machen, ohne zuerst auf Kurzstrecke fliegen zu müssen. Doch dies muss eine Ausnahme bleiben, denn wenn dies zum Normalfall würde, wäre die Sicherheit im Cockpit, und damit auch der Passagiere, gefährdet.

Pikantes Detail: Die Swiss wollte eigentlich 20 solche Ausnahmen, sie fand wegen der „attraktiven“ Arbeitsbedingungen aber nur 3… das Senioritätsprinzip kann alleine schon deshalb nicht für den Pilotenmangel verantwortlich gemacht werden.

Darüber hinaus stimmten wir zu, dass die Swiss letztes Jahr Pensionierte wieder einstellen durfte und solche, die mit 58 in Pension gehen, länger arbeiten dürfen. (Dieses Weiterarbeiten-lassen hat indirekt mit dem Senioritätsprinzip zu tun: alte Bekannte können einfach länger behalten werden – man weiss, was man an ihnen hat -, ohne dass das Senioritätsprinzip geopfert wird.) AEROPERS hat sich dafür ausgesprochen, diese Massnahmen zu ermöglichen, und trotzdem gibt es Flugausfälle. Die Schuld daran trifft sicher nicht uns.

Es sieht so aus, wie wenn der Arbeitskampf schon begonnen hat. Die Swiss hat ihn zuerst aufs öffentliche Parkett getragen. Hoffentlich bleiben Wahrheit, Zuverlässigkeit und Sicherheit dabei nicht auf der Strecke!

Damt dies nicht so kommt, empfehlen wir, den Artikel vom 30. März nochmals zu lesen (Ist das Senioritätsprinzip schuld am Pilotenmangel?) und diesen Blog zu abonnieren oder uns auf Facebook und Twitter zu folgen. Willkommen an Bord!

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