Verfasst von: aeropersredaktion | 19/12/2011

Neues aus der Rundschau

Letzte Woche kam die neue Ausgabe der Rundschau heraus. In den folgenden Wochen werden wir ausgewählte Artikel daraus auf diesem Blog veröffentlichen. Wir beginnen, wie in der Rundschau, mit

The President’s Voice

Endlich ist es soweit: Seit dem 1. November arbeiten die Airbus-Piloten der Swiss mit einem neuen Gesamtarbeitsvertrag Dies, nachdem der alte Vertrag bis Ende 2009 Gültigkeit hatte, anschliessend um ein weiteres Jahr in die Verlängerung ging, im letzten Moment durch eine dreimonatige Übergangslösung abgelöst wurde und dann trotzdem sieben Monate im sogenannten vertragslosen Zustand folgten. Die Zeitspanne, in der verhandelt wurde, erstreckte sich schlussendlich über mehr als ein Jahr. Unter Berücksichtigung des neuen Vertrags, der zwar substanziell einige Verbesserungen bringt, aber strukturell keine grossen Innovationen beinhaltet, kann schwerlich von einem effizienten oder optimalen Verhandlungsprozess gesprochen werden. Ob Lehren daraus gezogen wurden, wird sich demnächst zeigen, denn die Piloten von Swiss European beginnen gerade mit ihren GAV-Verhandlungen.

Aber auch wenn die Piloten der Swiss einen neuen Vertrag haben, sind gemäss dem Einigungsamt des Kantons Zürich nicht einfach alle Aufgaben erledigt. Das Amt empfiehlt den Sozialpartnern im Beschluss vom 21. Juni, «… ihre Sozialpartnerschaft als solche kritisch zu überdenken sowie die damit verbundenen Beziehungen zu bearbeiten und zu pflegen, ganz generell und in Bezug auf die Strukturen». Mit dem Inkraftsetzen des GAV sind nicht alle Probleme einfach gelöst, denn der Abschluss eines GAV soll nicht nur der Promotion einer Sozialpartnerschaft nach aussen durch das Management dienen, sondern er muss auch nach innen gelebt werden. Bei einem respektierten Vertrag sind Abweichungen im Voraus einvernehmlich abzusprechen, und sie lassen sich nicht im Nachhinein mit dem Markt und vom Management selbst deklarierten betrieblichen Umständen rechtfertigen. Es wird sich zeigen, dass es dann auch am Engagement, der Motivation, der Loyalität und der Bereitschaft zur Einhaltung des Arbeitsfriedens vonseiten der Piloten nicht mangelt.

Längerfristig werden wir uns auch mit dem Berufsbild des Piloten beschäftigen müssen. Im Hin und Her der Verhandlungen war es erstaunlich, zu sehen, welches Image der Piloten in der Öffentlichkeit vorhanden ist. Erschreckend war, welche Bilder intern verbreitet wurden, von Personen also, die es eigentlich besser wissen müssten. Auch hier haben wir als Verband, aber auch jeder einzelne Captain und First Officer einiges an Arbeit und Aufklärung vor uns. Verzerrte und falsche Berufsbilder werden gerne von unfähigen oder neidischen Personen verbreitet. Sie sind es eigentlich nicht wert, dass auf deren Vergleiche näher eingegangen wird. Bekanntlich höhlt aber steter Tropfen den Stein. Wir tun also gut daran, uns auch mit den hinterlistigen Argumenten auseinanderzusetzen.

Apotheker und Pilot

Ich muss vorausschicken, dass ich den Beruf des Apothekers nur wenig kenne und diesen hier auch in keiner Weise in ein schlechtes Licht stellen will. Aber dieser Beruf wird gerne aufgeführt, um zu zeigen, wie sich das Berufsbild verändern kann und wie gerade der Apotheker sich damit zurechtgefunden hat. Vor Hunderten von Jahren haben heilkundige Mönche noch Kräuter selber gesucht und gezüchtet, diese vermischt, gemörsert, zu Medikamenten verarbeitet und am Schluss dem Patienten verabreicht. Heute ist der landläufige Apotheker noch Berater und Verkäufer der industriell hergestellten Pharmaka. Das ursprünglich zu seiner Arbeit gehörende Handwerk wurde ausgelagert. Trotzdem konnte er weiter bestehen und sich beruflich positionieren. So ein Werdegang wird von den Verzerrern des Berufsbilds auch dem Piloten prognostiziert, und sie sollten sich deshalb besser neu positionieren und ihren Beruf rechtfertigen. Mir fehlt da jegliche Analogie der Entwicklung zwischen den beiden Berufen. Konnten sich die Piloten die Arbeit im Cockpit eines Verkehrsflugzeugs früher noch mit einem Funker, einem Navigator und einem Bordtechniker teilen, haben sie heute deren Aufgaben auch noch übernommen. Teilweise tun sie dies unter Zuhilfenahme von zusätzlichen technischen Apparaten, was – wie jeder Computerbenutzer weiss – mit weiteren Tücken verbunden ist. Das Kernhandwerk des Pilotierens ist geblieben, und die neusten fatalen Unfälle zeigen, dass dieses nach wie vor auf hohem Niveau gefragt ist und nicht vernachlässigt werden darf. Also keine Spur von Auslagerung und neuer Definition des Berufs. Im Gegenteil lautet die logische Frage an die Industrie, ob nicht gerade in diesen Beruf viel mehr investiert werden müsste. Von den Themen bei Vertragsverhandlungen gelangt man also über das Berufsbild zu den Kosten und damit auch wieder zu den Arbeitsbedingungen. Mit anderen Worten: Die Beurteilung unserer Arbeit und unserer Leistung wird mitunter über das Bild, das man sich von unserem Beruf macht, vermittelt. Darum sind die Pflege und die Vermittlung des Berufsbildes oder des Images von uns Piloten für die Zukunft eine nicht zu unterschätzende, wichtige Aufgabe.

Rolf Odermatt, Präsident


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