Verfasst von: aeropersredaktion | 22/12/2011

Rundschau 04/2011 – Editorial

Die Swiss schreibt weiterhin im Branchenvergleich untypisch gute Zahlen. Wichtige Unternehmensinformationen wie die Veröffentlichung dieses Ergebnisses werden oft auch zum Anlass genommen, um wichtige Veränderungen oder Prozesserneuerungen anzukündigen. Das Moment des Ereignisses kann dabei helfen, den Start in eine «bessere Zukunft» zu lancieren – gerade nach schwierigen und turbulenten Zeiten.

Die Entstehungsgeschichte unseres neuen GAV war sehr turbulent. Das Ergebnis ist für das Pilotenkorps von derartiger Wichtigkeit, dass in der Zeit der Verunsicherung die Zahl der Gespräche mit der psychologischen Betreuerin des Cockpit-Personals merklich anstieg. Der Vertrag wurde bei einer hohen Stimmbeteiligung sehr deutlich angenommen, was dessen Stellenwert bei den Piloten veranschaulicht. Unser COO Rainer Hiltebrand freut sich darüber und meint: «Der neue GAV bildet eine solide Grundlage für eine tragfähige, konstruktive Sozialpartnerschaft zwischen AEROPERS und Swiss über die kommenden Jahre hinweg.» Das siebenzeilige Kommuniqué im Intranet war bis jetzt aber alles, was die Piloten von der Swiss zu lesen bekamen.

Das ist einigermassen erstaunlich, wenn man sich an die lange und nervenaufreibende Verhandlungsphase erinnert. Gerade der Begriff Sozialpartnerschaft wurde oft bemüht, wenn der Gegenpartei sture Blockadehaltung vorgeworfen wurde. Jetzt soll laut Hiltebrand eine solide Grundlage für ebendiese Partnerschaft gelegt worden sein. «Und nun?», fragen sich die Angestellten. Wie gedenken die Führungskräfte der Swiss in den Weg zu dieser so oft vermissten Sozialpartnerschaft einzubiegen? Dazu ist nichts zu hören. Das erleichterte Aufatmen nach der Annahme des Vertrags verhallt im leeren Raum. Die Chance für ein wichtiges kommunikatives Zeichen wurde nicht wahrgenommen.

Peter Tilly erläutert in seinem Bericht, wie wichtig Sozialpartnerschaft ist. Gerade nach zähen Verhandlungen seien Zeichen wichtig, die den Willen zum vorbehaltlosen Dialog signalisieren. Er legt allen Beteiligten ans Herz, ihre Rolle in der Partnerschaft kritisch zu hinterfragen. In einem flammenden Appell ruft uns Tilly dazu auf, uns aus dem Widerstand zu lösen. Nichts Schlimmeres könne geschehen, als wenn die Arbeitnehmer im passivem Widerstand verharrten. Der Arbeitgeber wird dazu aufgefordert, den Mitarbeitenden wertschätzend zu begegnen. Schliesslich seien es die Mitarbeiter, die aus dem Rohling «Swiss» einen Diamanten formen. Matthias Mölleney, der frühere Personalchef der Swissair, meint dazu in einem Interview (Seite 8): «So wie wir intern miteinander umgehen, so erlebt uns der Kunde.» Sozialpartnerschaft lebe von Vertrauen, Respekt und dem echten Interesse am Gegenüber. Er spricht damit grundsätzliche Faktoren an, die eine starke, gemeinsame Unternehmenskultur ausmachen.

Kulturelle Aspekte stehen auch für Tom Bolli, den neuen Leiter Flight Safety OS, im Vordergrund. Er beleuchtet in einem Interview «An der Safety geht kein Weg vorbei» die aktuellen Veränderungen, weil viele neue, junge Piloten in die Firma kommen. Er äussert sich auch dazu, dass wir uns im Cockpit mit immer mehr Dingen beschäftigen müssen, die nicht zu unserem Kernauftrag gehören. Dieser «normalization of deviation» möchte er mit seiner schlagkräftigen Safety-Abteilung entgegenwirken. Ausserdem äussert er sich zur Absicht, ein Fatigue Risk Management System einzuführen. Sein Ziel sei es, dass die Piloten bei gleichbleibender Produktivität weniger ermüden. «Müde sein ist menschlich» ist ein Beitrag, der diese Thematik vertieft und den Fokus auf das tägliche Wechselspiel zwischen Wachsamkeit und Müdigkeit richtet. Als Fazit kann gesagt werden, dass in der Fliegerei kein Weg an der Safety und an genügend gutem Schlaf vorbeigeht.

Mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft,
Jürg Ledermann


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