Verfasst von: aeropersredaktion | 18/01/2012

Medienmitteilung: Neue Regelungen gegen Übermüdung von Piloten sind noch immer ungenügend

Neue Regelungen gegen Übermüdung von Piloten

– Besser, aber noch immer ungenügend! –

Heute wurden von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) neue Vorschiften vorgestellt, die Sicherheitsrisiken durch Übermüdung von Piloten bekämpfen sollen. Auch wenn  die Agentur dringend notwendige Verbesserungen zu  ihrem ersten Vorschlag vom Dezember 2010 eingebracht hat, muss aber noch viel mehr getan werden, um die Sicherheit von Flugpassagieren zu schützen.

Wissenschaftliche Studien zeigen, wie lange Piloten maximal am Stück fliegen und wie lange die Ruhezeiten zwischen den Einsätzen mindestens dauern sollten, um zu garantieren, dass die Piloten fit genug sind, ihre Passagiere sicher ans Ziel zu bringen. Die EASA ignoriert diese Erkenntnisse in wichtigen Bereichen ihres aktuellen Vorschlages.

“Die 50.000 Kommentare von Betroffenen zum Vorschlag der EASA vom Dezember 2010 sollten für die Agentur ein klares Zeichen sein: Dieser Vorschlag ist mit riesigen Mängeln behaftet, er muss deutlich angepasst werden, und zwar aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen” sagt Rolf Odermatt, Präsident der AEROPERS. “Der heute präsentierte, angepasste Vorschlag enthält einige vernünftige und sehr willkommene Änderungen. Trotzdem existieren immer noch einige kritische Regelungen, so zum Beispiel die viel zu lange mögliche Arbeitszeit nach einem Bereitschaftsdienst. Wenn diese nicht angepasst wird, dann könnte von einem Piloten verlangt werden, dass er sein Flugzeug gegen Ende des Arbeitstages nach einer Wachzeit von 20 bis 21 Stunden landet. Die Passagiere verdienen jedoch ausgeruhte Piloten! Passagiere und Piloten erwarten vom Europäischen Gesetzgeber, dass die Flugsicherheit durch strenge Regeln geschützt wird. Die Luftfahrtbehörde der USA hat im vergangenen Dezember bereits aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse die Flugdienstzeiten strenger reguliert um Piloten vor Übermüdung zu schützen”.

“Die EASA selbst beauftragte drei Wissenschaftler damit, ihren Vorschlag zu beurteilen; nun scheint die EASA aber unglücklicherweise beschlossen zu haben, deren Empfehlungen zu ignorieren, da einige davon die wirtschaftlichen Interessen der Fluglinien negativ beeinflussen könnten” erklärt Henning M. Hoffmann, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der AEROPERS. “Die Wissenschaftler sind sich zum Beispiel einig, dass Flugdienste ohne einen zusätzlichen dritten oder vierten Piloten während der Nacht überdurchschnittlich ermüdend sind und Flüge mit nur 2 Piloten deshalb auf 10 Stunden begrenzt sein sollten. Trotzdem hat die EASA  dem Drängen der Airlines nachgegeben und das Limit auf 11 Stunden festgelegt.“ So Hoffmann weiter. „Solche Bestimmungen – und es gibt viele weitere Beispiele – entsprechen weder dem gesetzlichen Auftrag der EASA, noch dem Prinzip der Prävention und schon gar nicht dem grundsätzlichen Recht eines jeden Flugpassagiers: Dem Recht auf einen sicheren Flug. Die EASA kann und muss diese Problematik besser lösen!”



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