Verfasst von: aeropersredaktion | 29/01/2013

Senioritätsprinzip hat nichts mit „Beamtenstadel“ zu tun

SWISS CEO Harry Hohmeister hat am Rande des WEF unser Senioritätsprinzip kritisiert. Vielleicht hat er dieses noch nicht ganz verstanden, denn das Prinzip hat sich bewährt und es gibt triftige Gründe, daran festzuhalten.

Herr Hohmeister bezeichnet das bestehende Senioritätsprinzip als veraltetes System, als „Beamtenstadel“  bei dem jeder Pilot schon bei seinem Eintritt wüsste, was ihn nach 27 Dienstjahren an Lohn erwartet. Hier muss erklärt werden, dass das bestehende Senioritätssystem gar nichts mit dem Lohn zu tun hat, sondern den Karriereverlauf der Piloten reglementiert.

Triftige Gründe für dieses System wurden schon früher auf unserem Blog erklärt:

Das Senioritätsprinzip ist nicht einfach ein Gewerkschaftsprinzip, sondern es ergeben sich daraus auch Vorteile für den Arbeitgeber und es wird auch von der Swiss und anderen Airlines gestützt.

Durch das Senioritätsprinzip wird ganz klar die Sicherheit beim Fliegen gefördert. Ein Pilot muss nicht „ellbögeln“, um seine Karriereschritte zu machen. Wenn er dazu die nötigen Voraussetzungen hat, welche bereits beim Auswahlprozess geprüft werden, und die geforderte Leistung erfüllt, dann kann nach Seniorität ein Karriereschritt gemacht werden. Es nützt dabei nichts, sich vorzudrängen oder sogar andere zu mobben oder zu denunzieren. Dies dient der Erhöhung des Sicherheitsstandards in den Cockpits, weil Fehler angesprochen werden können und nicht vertuscht werden müssen

Durch das Senioritätsprinzip wird eine langfristige Bindung an das Unternehmen gefördert. Ein ständiges Wechseln der Philosophie und des kulturellen Umfelds fördert die Harmonisierung im Cockpit nicht. Bei einem Bestand von über 1000 Piloten ist es selbstverständlich, dass jeden Tag wieder andere Kollegen miteinander fliegen. Dabei ist es wichtig, dass alle eine ähnliche Grundeinstellung haben. So wird bereits bei der Ausbildung im Swiss Aviation Training die Philosophie der Swiss International Air Lines eingeführt, um eine Harmonisierung zu erreichen. Zu viele Quereinsteiger machen diese Bemühungen wieder zunichte. Bei Wegfallen des Senioritätsprinzips würde ausserdem nicht nur das Neueinstellen sondern auch die Abwanderung begünstigt.

Die Piloten haben auch einen grossen Nachteil aus dem Senioritätsprinzip: Sind sie einmal ein paar Jahre bei einer Airline angestellt, können nur noch unter Verlust aller Dienstjahre den Arbeitgeber wechseln. Wir sind also der Firma wegen des Senioritätsprinzips faktisch ausgeliefert. Dies ist ein ein grosser Vorteil für Swiss, denn wäre das Senioritätsprinzip in ganz Europa abgeschafft, dann wären die Piloten unter Umständen schnell weg, bei der Konkurrenz attraktivere Arbeitsplätze entstehen. Manager wie Herr Hohmeister können die Firma wechseln um Karriere zu machen. Linienpiloten bei grossen Airlines sind gezwungen, ihrem Arbeitgeber treu zu sein, um eine Karriere machen zu können.

Was Herr Hohmeister als Beamtenstadel bezeichnet ist die Gehaltsstruktur, bei der die Piloten die im GAV festgelegten Gehaltsstufen durchschreiten. Durch den tiefen Anfangslohn und die Steigerung wird der Pilot davon abgehalten, sich eine andere Stelle zu suchen. Entlöhnt wird dabei nicht nur die reine Tätigkeit, sondern auch die Erfahrung des Piloten und damit die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Operation.


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