Verfasst von: aeropersredaktion | 22/07/2013

Swiss Piloten günstiger als bei Easyjet

Die Schweiz am Sonntag berichtete gestern über einen Lohnvergleich, den wir kürzlich mit EasyJet machten. Demzufolge sind Piloten bei Swiss deutlich günstiger als bei der Billig-Airline-Konkurrenz. Zwar versuchte das Swiss-Management diese Tatsache im Gespräch mit dem Journalisten zu verschleiern und herunterzureden, die Fakten sprechen aber eine deutliche Sprache: Die Behauptungen der Swiss im Hinblick auf unsere Kosten sind falsch. Die Kurzstreckenpiloten bei Swiss sind günstiger als Bei Easyjet Diese Tatsache ist besonders brisant angesichts dessen, dass wir uns mit dem Management in Verhandlungen über die Zusammenlegung der beiden Pilotenkorps von Swiss European und Swiss International befinden, und in diesem Zusammenhang trotz laufendem GAV bereit sind, zugunsten der Zusammenlegung auf einiges zu verzichten, so dass auch das von oben vorgegebene Sparziel erreicht würde.

Im folgenden der Artikel aus der gestrigen Schweiz am Sonntag:

Piloten: Swiss zahlt schlechter als Easyjet
Schweiz am Sonntag / MLZ; 21.07.2013 Seite 19 Wirtschaft
Kurzstrecken-Crew weist mit Studie den Vorwurf des Swiss-Managements zurück, ihre Lohnkosten seien zu hoch
Benjamin Weinmann
Das Resultat dieses Vergleichs überrascht: Die Piloten der Premium-Airline Swiss kosten ihre Firma auf Kurzstreckenflügen ab Genf im Schnitt 18 Prozent weniger als die Piloten der Billigairline Easyjet. Zu diesem Schluss kommt ein Lohnkostenvergleich von Aeropers, dem Verband der Airbus-Piloten. Demnach kostet ein Captain die Swiss im 9. Dienstjahr rund 200 000 Franken gegenüber 270 000 Franken bei Easyjet.Die Gegenüberstellung erfolgt zu einem brisanten Zeitpunkt. Per September erhöht die Swiss ihre die Kapazitäten in der boomenden Calvin-Stadt, um Marktführer Easyjet Kunden abzujagen. Sie fliegt neue Destinationen an mit One-Way-Tickets ab 39 Franken. 150 Flight Attendants aus der Region wurden rekrutiert. Und mit den Piloten diskutierte das Management über eine permanente Stationierung einer Crew in Genf.Mit den Piloten sprach das Swiss-Management auch über Kosteneinsparungen. Swiss-Chef Harry Hohmeister verlangt von der Cockpit-Crew einen Sparbeitrag von 30 Millionen Franken. Doch Mitte Juni kam es zum Zerwürfnis. Die geplante Piloten-Crew-Basis Genf ist laut Swiss vorerst vom Tisch.«Uns wird immer wieder vorgeworfen, dass wir in Genf die Firma viel mehr kosten als die Easyjet-Piloten», sagt Aeropers-Sprecher Kilian Kraus. «Doch das stimmt nicht.» Der Vergleich der Aeropers zeigt die Lohnkosten aus Firmensicht inklusive Lohn, Pensionskasse, AHV und IV für die Kurzstreckenpiloten. Ein einfacher Lohnvergleich sei laut Kraus zu wenig repräsentativ, da zu viele variable Faktoren mitspielen würden wie Ferientage oder Einsatzzeiten.

Ein Pilot der Swiss beginnt seine Karriere auf der Kurzstrecken-Flotte und sammelt dort laut dem Aeropers-Vergleich rund vier Jahre lang Erfahrung. Dann wechselt er als Co-Pilot auf die Langstrecke und kehrt im achten Jahr auf die Kurzstrecke als Captain zurück und wechselt einige Jahre später als Captain auf die Langstrecken. Die höheren Langstrecken-Löhne der Swiss-Piloten sind nicht im Vergleich enthalten, da Easyjet nur Kurzstrecken bedient.

Die Swiss kritisiert den Vergleich: «Die Grundvergütung eines Easyjet Captain in Genf ist gemäss unseren Angaben 13 577 Franken, unabhängig vom Dienstjahr. Bei uns liegt der Durchschnittslohn der Airbus-Kurzstrecken-Captains bei 15 993 Franken», sagt Sprecherin Myriam Ziesack. Aeropers entgegnet, die Easyjet-Löhne seien aufgrund von zusätzlichen Flugzulagen «eklatant höher», während die Billig airline selber zu ihrer Lohnpolitik schweigt.

Aeropers bereinigt ihren Vergleich um einen historischen Effekt: Nach dem Swissair-Grounding kam es zu einer Überalterung des Korps, wodurch heute viele überqualifizierte und entsprechend gut bezahlte Piloten noch auf der Kurzstrecke fliegen. «Das stimmt», räumt Kilian Kraus ein. «2014 fällt dieser Effekt aber unter anderem durch Pensionierungen grösstenteils weg, wodurch die Lohnkosten der Firma deutlich sinken und unser Modell gültig wird.»

In ihrem Vergleich blendet Aeropers auch die variablen Lohnbestandteile aus. So steht den Piloten eine Gewinnbeteiligung zu, die in guten Zeiten 10 Prozent des Salärs ausmachen kann und in den vergangenen Jahren im Schnitt 8 Prozent betrug. «Auch dann ist der Unterschied aber noch immer beträchtlich, vor allem wenn die Gewinnbeteiligung ganz ausbleibt», sagt Kraus.

Der Swiss passt zudem nicht, dass die Produktivität nicht miteinbezogen wird. Diese ist bei den Easyjet-Piloten aufgrund höherer Einsatzzeiten besser, allerdings hängt dies nicht zuletzt auch mit der Netzwerk-Struktur der Swiss ab, welche die Flugplanung komplizierter und weniger effizient macht, während sich Easyjet keine Gedanken um Anschlussflüge machen muss.

Dennoch erachtet die Swiss die Arbeitsbedingungen ihrer Piloten als «nicht mehr wettbewerbsfähig». Komme es weiterhin zu keiner Einigung, werde man die im GAV «verankerte Flexibilität in Bezug auf Fremdproduktion» vermehrt einsetzen müssen. Sprich: die Auslagerung auf andere Airlines.


Responses

  1. Das ist heute meistens so dass die hochbezahlten Manager nur diejenigen Fakten auf den Tisch bringen, die in ihre Strategie passt. Ist auch beui anderen Firmen so.

  2. Nachdem die „alten“ Swissair Piloten weg sind, ist es Zeit die beiden Gewerkschaften (ehem. Crossair/Swissair) zu vereinigen und gleiche Löhne zu bezahlen.


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