Verfasst von: aeropersredaktion | 01/09/2013

Qualitätsairline mit Qualitätspersonal

Was bedeutet es eigentlich eine Premium Fluggesellschaft zu sein?

Getränke, Snacks und Schokolade werden gratis angeboten. Die Mitnahme von Gepäck ist auch im Preis inkludiert und je nach Klasse darf der Passagier in einer speziellen Lounge auf den Abflug warten.

Ist es mit diesen Äusserlichkeiten schon getan? Gibt es nicht auch Qualitätsunterschiede hinter den Kulissen?

Besuche im Cockpit sind heutzutage leider nicht mehr erlaubt aber die Neugier wer sich eigentlich hinter der Tür mit der Aufschrift „Crew Only“ befindet sollte doch nach wie vor gross sein. Sitzen doch dort die Piloten welche die Verantwortung über den Flug haben und das Flugzeug sicher und zuverlässig rauf und wieder runter bringen sollen. Sind die Piloten gut? Sind sie gut ausgebildet und erfahren? Sind sie gut ausgewählt?

Die Auswahlverfahren für Piloten sind anspruchsvoll und dauern meist mehrere Tage. Der Qualitätsanspruch ist hoch, so bleiben am Ende oft weniger als 10% der Bewerber über. Diese Piloten geben nach erfolgreicher Ausbildung bei jedem Flug auf der Strecke ihr Bestes und sorgen für Sicherheit und Zuverlässigkeit. Es sind hoch qualifizierte Profis und Spezialisten in ihrem Bereich.

Auch diese Zuverlässigkeit und Sicherheit machen eine Qualitätsairline aus und für diese Qualität braucht es entsprechende Arbeitsbedingungen.

Bei Auslagerung der Produktion an Fremdanbieter gibt die Fluggesellschaft diese Qualität aus der Hand. Viele Nischenanbieter setzen heute zum Beispiel Leihpiloten unter zum Teil mehr als fragwürdigen Arbeitsbedingungen ein.

Der NDR hat zu diesem Thema einen interessanten Artikel am Beispiel Ryanair veröffentlicht und festgestellt, dass die Arbeitsbedingungen der Piloten die Sicherheit beeinflussen.

Wer sitzt bei Ryanair im Cockpit?

Um trotz billiger Flüge noch Gewinn machen zu können, spart Ryanair nicht nur am Kerosin, sondern auch am Personal. In einem Bericht von Ryanair für die New Yorker Börsenaufsicht von 2011 ist zu lesen, dass von 2.344 Piloten 1.694 als Leiharbeiter angeworben wurden – das sind über 70 Prozent. Doch im Bericht von 2012 fehlt diese konkrete Zahl plötzlich, sodass der Anteil der Fremdbeschäftigten nicht mehr erkennbar ist.

Jörg Handwerg von der Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ bestätigt, dass viele Piloten lediglich als Leiharbeiter für die irische Airline fliegen. Ryanair-Piloten seien „extrem ängstlich“, so der Gewerkschafter und Pilot weiter. „Der Arbeitsmarkt für Piloten ist zurzeit sehr schlecht. Das heißt, wenn sie ihren Job verlieren, müssen sie damit rechnen, dass sie es sehr schwer haben, wieder irgendwo eine Anstellung zu kriegen.“

Dabei sind die Arbeitsbedingungen für Ryanair-Flugkapitäne nicht gerade angenehm, wie eine Pilotin der Gesellschaft 45 Min gegenüber anonym berichtet. Die Leiharbeiter-Piloten würden „wie Springer“ im ganzen europäischen Netzwerk umherreisen und dort eingesetzt werden, wo sie gerade gebraucht würden. „Die Stimmung ist grundsätzlich sehr schlecht, weil die Leute sehr müde und kaputt sind.“ Selbst Vertragspiloten hätten kein festes Gehalt beziehungsweise Grundgehalt, sagt die Ryanair-Pilotin. Krankheitstage würden nicht bezahlt. Gewerkschafter Jörg Handwerg nennt das Klima bei Ryanair „extrem negativ“: „Aus unserer Sicht ist das sicherheitskritisch.“

Piloten von Drittfirmen mit eingeschränkten Arbeitnehmer-Rechten?

Ryanair veröffentlicht seit zwei Jahren keine Zahlen mehr zu Piloten, die über Drittfirmen beschäftigt werden. Auch auf konkrete Nachfragen nach dem Anteil der Fremdarbeiter bei der Airline gibt es keine konkrete Antwort. Schriftlich teilt Ryanair mit: „Über 50 Prozent aller Ryanair-Flugkapitäne sind direkt angestellt. Der Rest ist über Drittfirmen angestellt und genießt eine hohe Bezahlung, vereinbarte Gehaltserhöhungen und eine unübertroffene Jobsicherheit. Wir haben eine Warteliste, die 5.000 Bewerber lang ist, an Piloten und Kabinenbesatzung, die gerne für Ryanair arbeiten wollen.“

Das scheinen viele Piloten, die für das Unternehmen arbeiten, ganz anders zu sehen. Inzwischen haben sie eine Gewerkschaft (Ryanair Pilot Group) gegründet – aufgrund der Arbeitsbedingungen und aus Sorge um die Sicherheit. Dass offene Kritik zum Jobverlust führen kann, hat der Brite John Goss am eigenen Leib erfahren. Der Ryanair-Pilot hatte im britischen Fernsehsender Channel 4 offen die allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen der irischen Billigairline kritisiert. Die Folge: Er wurde nach 26 Jahren Dienst am 14. August fristlos entlassen.

Quelle: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/auto_verkehr/billigflieger139.html


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