Verfasst von: aeropersredaktion | 29/04/2014

Am Anfang stand eine gute Idee

Am Anfang stand eine gute Idee…

Im Herbst 2012 gab es erste unverbindliche Gespräche der Swiss mit den beiden Pilotenverbänden AEROPERS und IPG über eine kreative Umstrukturierung der Swiss. Vision dieses sogenannten Projekt X war eine zukunftsfähige und gesunde Swiss.

Mit dieser Vision im Kopf haben die Vertreter der drei beteiligten Parteien viel gute, kreative und dennoch einfache Ideen entwickelt, wie zahlreiche Probleme der Swiss gelöst werden könnten, um diese zukunftsfähig zu machen.

Im Zentrum all dieser Ideen stand die Zusammenführung der beiden Firmen Swiss International und Swiss European. Damit einher – und auch folgerichtig – ging die Integration der Piloten der Swiss European in den GAV der Piloten der Swiss International.

Klassische Problemfelder wie die Zusammenführung der Senioritätslisten, eine gemeinsame Salärliste, ein durchlässiges und gerechtes Karrieremodell – alles Themen, woran schon zahllose andere Airlines gescheitert sind – wurden einvernehmlich gelöst. Der Aufbau einer eigenen Homebase in Genf wurde möglich, die Realisierung von erheblichen Einsparungen durch zahlreiche Synergien durch die Integration sogar beziffert, sowie die Einflottung der neuen Flugzeugtypen Boeing 777 und Bombadier CSeries sichergestellt. Bis dahin ein bemerkenswertes und einmaliges, gar historisches Projekt von AEROPERS, IPG und der Swiss. Und es hätte auch ein erfolgreiches Projekt werden können. HÄTTE – denn Ende 2012 kamen CEO Harry Hohmeister und COO Rainer Hiltebrand auf die Idee, die bis dahin tragfähige Konstruktion und den Konsens aller beteiligten Personen zu zerstören (was man in der Abstimmung 2014 dann klar und deutlich erkennen konnte). Beide wollten ohne Rücksicht auf Verluste ein massives Sparpaket in das Projekt X drücken. Und dies, obwohl die reine Integration aufgrund von Synergieeffekten bereits ein erhebliches Sparpotential dargestellt hätte.

Der Zeitpunkt für die Zusammenführung, die Integration, der beiden Pilotenkorps war einmalig. Alle Umstände sprachen für ein problemloses Zusammengehen. Vor diesem Hintergrund war die AEROPERS bereit, sehr grosse Zugeständnisse zu machen, schlussendlich zu grosse. Jeden Verhandlungstag wurde das Management darauf hingewiesen, dass der „Preis“ der Integration viel zu hoch sei und man mit einer klaren Abstimmungsniederlage rechnen müsse und das Projekt somit vorsätzlich ins Scheitern geführt würde.

Im März 2014 war dann klar, dass der Verband richtig lag. Mehr als 70% der Mitglieder lehnte den finalen GAV14 ab.

Eine nachgängige Meinungsumfrage bei den Mitgliedern ergab ein klares Ergebnis, warum der Anteil der „Nein-Stimmen“ so markant hoch ausgefallen war. Hauptgrund war der insgesamt zu hohe Preis, kombiniert mit fehlendem Vertrauen in das Management.

Vertrauen ist ein Grundstein für eine gute Sozialpartnerschaft. Diesen Grundstein hat das Management aber nahezu komplett zerstört. Neben der Abstimmung des GAV der Piloten scheiterten auch der GAV des Kabinenpersonals und der die Verhandlungen zum GAV des Bodenpersonals. Die aus Deutschland importierte Methode der Führung durch Druck und Angst hat sich in der Schweiz nicht durchgesetzt. Dieses klare Signal hat das Management um Harry Hohmeister aber immer noch nicht verstanden. Anstatt sich mit der AEROPERS und der IPG nochmals an einen Tisch zu setzen um eine vernünftige, sinnvolle und zudem mehrheitsfähige Lösung zu finden, geht die Volldampffahrt gegen die Sozialpartnerschaft ungebremst weiter.

CEO Hohmeister versucht nun in den Verhandlungen mit den Piloten der Swiss European unsere Boeing 777 zu verkaufen und damit einen Keil zwischen uns Piloten zu treiben. „Teile und herrsche“ mag im alten Rom erfolgreich gewesen sein. Harry Hohmeister ist aber nicht Julius Cäsar. Und wir leben inzwischen auch im Jahr 2014 nach Christus. Themen wie Unternehmenskultur, Umgang mit Arbeitnehmervertretern und Wertschätzung der Mitarbeiter haben Einzug in die moderne Welt erhalten – und sind Bestandteil des „Erfolgsmodell Schweiz“. Uns ist bewusst, dass Aktionäre für den Lufthansakonzern und damit schlussendlich auch für die Swiss wichtig sind. Aber uns ist noch mehr bewusst, dass die Mitarbeiter eines Konzerns noch wichtiger und von existenzieller Bedeutung sind. Aktien werden stündlich gekauft und verkauft. Mitarbeiter bleiben vielleicht en Leben lang, vor allem wenn es Piloten sind.

Herr Hohmeister versucht nun seine Handlungen schönzureden und mit wirtschaftlicher Erforderlichkeit zu begründen. Das fällt ihm sicherlich leicht, ist er doch Teil des Lufthansavorstandes, welcher sich in den letzten 10 Jahren die Saläre um fast 100% erhöht hat.

Eine Unterwanderung der Swiss International durch Auslagerung der Arbeitsplätze an die Swiss European mag pro Jahr eine Ersparnis von wenigen Millionen CHF generieren. Und das bei einem Umsatz von mehr als 5 Milliarden Franken und einem Gewinn im Jahr 2013 in Höhe von 264 Millionen Franken. Nicht zu vergessen, dass die Ergebnisplanung für das Jahr 2014 noch höher liegen. 2015 will Hohmeister nach eigenen Angaben mehr als 400 Millionen Gewinn erzielen. Ist das der richtige Moment für Sparmassnahmen bei den Mitarbeitern? Ist das kreatives Management, welches millionenschwere Saläre rechtfertigt? Wir finden nicht. Das Produkt muss besser oder zumindest anders werden, um gegen Angriffe aus dem Nahen Osten und von Seiten der EasyJet und anderer Billigairlines (deren Piloten mehr verdienen, als die vergleichbaren Kollegen der Swiss) zu bestehen.

Wir arbeiten aktuell unter einem GAV, der unbefristete Gültigkeit hat. Sollte die Firma diesen GAV aber kündigen und gleichzeitig einen Angriff auf unsere Arbeitsplätze lancieren, dann werden wir alle legalen Mittel ausschöpfen und uns dagegen zu wehren.

Eigentlich ist es doch nicht schwer zu verstehen – wir wollen unsere Passagiere sicher und zuverlässig zu ihren Wunschzielen fliegen. Dies wird nicht leichter, wenn das Management droht Arbeitsplätze auszulagern und das Individuum Existenzängsten auszusetzen – der Mutterkonzern gleichzeitig aber Dividenden in Höhe von dreistelligen Millionenbeträgen ausschüttet. So kann man kein Vertrauen gewinnen, so macht man sich endgültig unglaubwürdig.

 


Responses

  1. Guter Artikel ich teile viele Ansichten, dennoch sollte man sich auch an die eigene Nase greifen.

    Im Grunde genommen war der Preis mM nach nicht zu hoch!
    Es ist einfach eine Frechheit was sich die Piloten der Lufthansa herausgenommen haben um ihre surrealen Arbeitsbedingungen weiterleben zu dürfen. Zuviel ist zuviel!
    Lieber der Kabine etwas mehr geben, als noch ein Porsche mehr vor der Haustüre.

    JEDEM Mitglied hätten die Konsequenzen, die btw sogar noch angedeutet wurden, im Klaren sein müssen. Was jetzt folgt ist ein logischer Schachzug.
    Aber anscheinend war die Gier grösser als der Wunsch auf einen sicheren Arbeitsplatz.
    Auch diese Perspektive sollte mal überdacht werden.

    Natürlich macht das Mgmt Druck. So läuft das heutzutage überall.

  2. Hallo
    Es ist einfach schade, den Piloten hat wiedereinmal die Weitsicht in wirtschaftlichen Fragen und Entscheidungen gefehlt. Was sollen nun die Swiss European Piloten machen, ein B777 Angebot ablehnen? Sie werden jetzt durch das verantwortungslose Handeln der Aeropers Piloten in eine neue Rolle hineingedrückt, evt sogar ohne dass sie es wirklich wollen. Zudem werden sie ungemühtliche Zugeständnisse gegenüber dem Management machen müssen (z.B Auflockerung der Seniorität für direkt Einstellungen von B777 Crews!!). Wir sind gespannt was noch alles kommt! Auch Privat Air und Helvetic drückt mit guten Preisen ins Wetlease Geachäft! Eine wirklich verpasste Chance meine Lieben!

  3. Vielen Dank für die Kommentare. Leider scheint es da eine Menge Missverständnisse zu geben. Statt einzeln auf diese zu antworten und sie dadurch zu wiederholen, möchten wir in Kürze die Sachlage schildern:

    Im Herbst 2012 gab es erste unverbindliche Gespräche der Swiss mit den beiden Pilotenverbänden AEROPERS und IPG über eine kreative Umstrukturierung der Swiss. Vision dieses sogenannten Projekt X war eine zukunftsfähige und gesunde Swiss.

    Klassische Problemfelder wurden einvernehmlich gelöst. Es hätte ein erfolgreiches Projekt werden können. HÄTTE – denn Ende 2013 kamen CEO Harry Hohmeister und COO Rainer Hiltebrand auf die Idee, die bis dahin tragfähige Konstruktion und den Konsens aller beteiligten Personen zu zerstören. Beide wollten ohne Rücksicht auf Verluste ein massives Sparpaket in das Projekt X drücken. Das Projekt scheiterte denn auch, wie zu erwarten war, an der Urne. Dieses demokratische Ergebnis wird vom deutschen Management aber nicht akzeptiert. Stattdessen versucht es nun, die Piloten gegeneinander auszuspielen und zu erpressen.

    Ähnlich erging es den anderen Personalverbänden, die ebenfalls für die unsinnigen, durch Lufthansa verordneten Sparmassnahmen unzumutbare Opfer bringen sollten. Was uns mit diesen nun vereint, ist der Kampf gegen ein Management, das unsere Firma für kurzfristigen Profit langfristig ruinieren will. Harry Hohmeister scheint seine Karriere wichtiger zu sein als die Zukunft unserer Airline. Für das Personal hingegen hat die Zukunft unserer Firma Vorrang, denn es geht um unsere Arbeitsplätze. Anders als manche Manager wechseln wir nicht alle paar Jahre die Firma.

    Wir gehen deshalb von einem länger andauernden Konflikt aus, bei dem die Personalverbände zusammenarbeiten für das gemeinsame Ziel einer langfristig gesunden Airline.

  4. Wieso Missverständnisse? Nein! Die Sachlage ist bekannt und wurde mehrfach geschildert und zwar immer aus dergleichen Perspektive. Die Führung hat sich nicht an die sozialpartnerschaftlichen Grundsäulen gehalten, diese hintergangen und versucht die Piloten in die Schranken zu weisen. So wird es immer zitiert.

    Aber warum wird immer nur diese Sichtweise verfolgt? Klar gibt man ungern Dinge her, die man sich mühsam erkämpft hat und verständlicherweise will man sich nicht unterdrücken lassen.
    Aber warum haben nur so wenige das Potential dieser Fusion für die Zukunft gesehen, wieso fokussiert man sich auf die nächsten 2 Jahre, wenn man stattdessen eine derartige Machtposition für die nächsten Jahrzehnte gewinnen würde.
    Eines muss man sich ganz klar Fragen. Ist die Tragweite jedem bewusst gewesen? Als Pilot sollte man eigentlich mit Weitsicht agieren und bis über den nächsten Gipfel hinwegblicken können, dies ist in diesem Fall jedoch gründlich misslungen.

    Nun müssen wir mit den Konsequenzen leben. Schade für diejenigen, die sich schon im voraus darüber im Klaren waren aber die Kollegen nicht mit ins Boot holen konnten. Immer die Schuld von sich zu weisen und als „man lies uns ja keine andere Wahl“ zu deklarieren ist eine besonders einfältige Erklärung.

    Auch wir können uns nicht alles leisten und manchmal muss man Kompromisse machen.

    Es muss ja nicht unbedingt ein negatives Ergebnis nach sich ziehen was jetzt kommt. Wenn wir Glück haben kommt es zu neuen Verhandlungen einer Fusion aber dies so aufs Spiel zu setzen bei der letzten Abstimmung war grob fahrlässig. Da hat man seine eigene Position etwas überschätzt.

    Ansonsten werden wir gegeneinander ausgespielt und das will glaub ich niemand aber trotzdem haben am Ende alle genau dafür abgestimmt!

    Ich bin mir sicher die Aeropers wird weiterhin einen guten Job machen und sie hat meine volle Unterstützung. Etwas andere Sichtweisen können schliesslich nie Schaden.

  5. Der Vorstand, sowie auch zahlreiche Mitglieder, haben die Chancen durchaus erkannt. Die Swiss hätte aber allein schon durch die Synergieeffekte und die Eingliederung der SWU auf Jahre viel Geld sparen können. Hohmeister HOHH wollte aber immer mehr und erhöhte während der Verhandlungen permanent und immer wieder aus heiterem Himmel seine Forderungen. Der Vorstand hat dann immer vor der Ablehnung gewarnt und darauf hingewiesen, dass etwas weniger am Ende für alle mehr sein würde. Darauf wollte er aber partout nicht hören. Sozialpartnerschaft versteht er so, dass er seine Bedingungen diktiert und durchdrückt. Das Ergebnis ist nun auch für Hohmeister bedauerlich. AEROPERS ist weiterhin zu Verhandlungen und einer Neuauflage bereit, Hohmeister hingegen zeigt dem Vorstand die kalte Schulter und verweigert nun leider jegliche vernünftige Lösungsfindung. Es darf bezweifelt werden, dass dies zum Wohle unserer Firma passiert.

  6. „… unsere Boeing 777…“
    Wusste gar nicht das AEROPERS die Flugzeuge bestellt hat und bezahlen wollte! Sehr bescheiden sage ich da nur…


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