Verfasst von: aeropersredaktion | 15/05/2014

Sparen – nur nicht beim Management

«Die goldenen Zeiten sind vorbei», titelte Die Welt, als Christoph Franz das Sparprogramm Score ins Leben gerufen hat. Ob die Mitarbeiter des Konzerns die Vergangenheit als goldenes Zeitalter erachten und wer trotzdem goldene Gehaltserhöhungen erhalten hat, beleuchtet dieser Artikel. 

«Die Zitrone ist nie ausgequetscht, uns fällt immer noch etwas Neues ein.» Das Management der Lufthansa hat mit Score über 2500 Projekte gestartet, um den Konzern fit für die Zukunft zu machen. Ein Hauptpfeiler von Score dürfte die Strategie von Boston Consulting sein: Mitarbeiter mit Druck durch Angst zu schlechteren Arbeitsbedingungen zu zwingen. Die stolzen Lohnsteigerungen in der Konzernzentrale in Frankfurt scheinen nicht unter das Score-Projekt zu fallen.  

Text: Vorstand AEROPERS

Das Management Board der Swiss wollte im Mai 2013 ein Zeichen setzen. «Das Management Board hat deshalb Anfang Mai beschlossen, hier ein Signal zu setzen und ab Juli 2013 bis Ende 2015 auf fünf Prozent des monatlichen Salärs zu verzichten.»

Kurze Zeit später sahen sich die Mitarbeiterverbände massiven Forderungen gegenüber gestellt. Und nicht selten wurde das genannte Signal des Managements als Grund vorgeschoben, von den Mitarbeitern ebensolches zu fordern. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass der Lohnverzicht beim Personal aber keinen temporären Charakter haben sollte.

In der Vergangenheit haben die Mitarbeiter der Swiss, allen voran die Piloten, eindrücklich gezeigt, dass sie bereit sind, substantielle Lohneinbussen hinzunehmen wenn es die wirtschaftliche Situation erfordert. In den schwierigen Jahren des Groundings haben Piloten eine Lohnkürzung von deutlich über 30 Prozent akzeptiert und damit mehr als alle anderen Personalkategorien. Da Piloten aufgrund der Senioritätsliste sehr stark an das Unternehmen gebunden sind, haben sie wohl das grösste Interesse am wirtschaftlichen Erfolg der Swiss.

 

Die aktuelle Lohnentwicklung

Der Tagesanzeiger berichtete Ende April von der aktuellen Lohnentwicklung in der Schweiz. Die erfreuliche Nachricht: «Die Löhne der Schweizer Privatwirtschaft sind in den letzten Jahren solide gewachsen.» Die obersten zehn Prozent der Einkommen durften seit 2002 ein stolzes Wachstum von 22,5 Prozent verzeichnen. Auch der Mittelstand sowie die einkommensschwächsten zehn Prozent konnten zumindest ein Lohnzuwachs von 12,8, respektive 9,8 Prozent ausweisen.

Das Management der Swiss wird nicht müde, den Mitarbeitern aufzuzeigen, dass man zwar in einer kapitalintensiven, jedoch ertragsschwachen Branche tätig ist. Daher stünden auch die Löhne der Mitarbeiter stärker unter Druck als in anderen Branchen. Dies ist tatsächlich so: Im gleichen Zeitraum wie bei der Tagesanzeiger-Studie hat sich bei den Piloten das Salär um rund zehn Prozent reduziert – und dies nachdem es sich unmittelbar davor bereits um 20 Prozent reduziert hatte.

Auch in der Kabine wurde an den Lohnlisten geschraubt. Im 18. Dienstjahr verdient ein Maître de Cabine 2012 rund acht Prozent weniger als 2002. Bis ein Maître de Cabine auf das gleiche Salär kommt wie die Kollegen 2002, muss er mindestens 23 Jahre bei Swiss fliegen.

 

Verhandelt wird nicht

Für die Kabine kam es vor kurzem aber noch deutlich dicker. Kurzerhand hat Hohmeister den bei der Kabine abgelehnten GAV14 doch eingeführt: Alle Neueintritte ab dem 1. April 2014 werden in diesen GAV eingereiht. Besonders bei den Flight Attendants ist der Einschnitt massiv: Es gibt nur noch alle zwei Jahre einen Lohnschritt, und das maximal mögliche Salär als Flight Attendant wurde um ganze 30 Prozent reduziert. Auch bei den Maîtres de Cabine, die Kurzstrecke fliegen, wurde das Topsalär nochmals um 20 Prozent reduziert. Einzig die Maîtres de Cabine auf der Langstrecke konnten in Bezug auf ihre höchste Gehaltsstufe ihr Niveau einigermassen halten. Von einer Verbesserung jedoch keine Spur.

Mit diesem Affront gegen die Meinung der Kabinenbesatzung zeigt Hohmeister seine Haltung: «Der GAV14 wird in Kraft gesetzt, wenn nicht demokratisch, dann halt per autoritärem Dekret.» Sozialpartnerschaft sieht anders aus!

 

Lohnentwicklung verpasst

Das gesamte fliegerische Personal hat dementsprechend das im Tagesanzeiger angesprochene, solide Wachstum des Einkommens mehr als verpasst. Im Gegensatz zum Wachstum von rund zehn Prozent bei den Einkommen hat das fliegende Personal in den letzten zwölf Jahren eine Reduktion des Einkommens von rund zehn Prozent ertragen. Die Swiss hat aber seit 2002 den Betriebsertrag um zehn Prozent gesteigert und seit 2006 einen durchschnittlichen Gewinn von über 300 Millionen Franken pro Jahr erwirtschaftet.

 

Lohnentwicklung mitgemacht

Ganz anders sieht es in der Konzernzentrale in Frankfurt aus. Da die Swiss vollständig in den Händen der Lufthansa ist, muss sie ihre Löhne nur gegenüber der Lufthansa offen legen. Die Lufthansa hingegen, als börsenkotiertes Unternehmen, muss jedes Jahr einen Vergütungsbericht des Vorstandes und des Aufsichtsrates abgeben.

Auch beim Aufsichtsrat der Lufthansa hat sich seit 2002 einiges getan. 2002 wurde im Geschäftsbericht festgehalten, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrats eine Entschädigung von 60000 Euro erhält plus einen variablen Bonus, der vom Geschäftsgang abhängig ist. Zehn Jahre später betrug der Grundlohn des Vorsitzenden bereits 150000 Euro. Nochmals soviel wurde ihm als variabler Lohnbestandteil ausgezahlt. Eine satte Fixlohnerhöhung von 150 Prozent.

 

Zweifelhafte Begründung

In den Jahren 2003, 2005, 2006, 2007, 2010 und 2011 wurde jeweils das Vergütungssystem für die Vorstände und die Aufsichtsräte angepasst. Normalerweise wird dies im Geschäftsbericht wie folgt beschrieben: «Wir haben daher bei den variablen Vergütungsbestandteilen kurzfristige Anreize reduziert, indem wir einen Teil der einjährigen variablen Vergütungen in die Grundvergütung übertragen und die variable Vergütung auf eine überwiegend mehrjährige Bemessungsgrundlage gestellt haben. Dabei blieb das durchschnittliche Vergütungsniveau insgesamt unverändert. Die neue Struktur, die von der Hauptversammlung 2011 mit überwältigender Mehrheit gebilligt wurde, ist in ihrer Gesamtheit im Vergütungsbericht dargestellt.» Oder auf gut deutsch: Wir haben den variablen Lohn dem Fixlohn gutgeschrieben und werden den variablen Lohn in Zukunft anders berechnen.

Das hat denn auch so stattgefunden. Seit 2003 hat sich das Grundgehalt des Vorstandspräsidenten der Lufthansa mehr als verdoppelt. Der variable Anteil aber hat sich kaum verändert: 2005 hat die Lufthansa eine operative Marge von 3,2 Prozent erreicht und dem Vorstandspräsidenten eine variable Vergütung von insgesamt 690000 Euro ausbezahlt. 2013 wurde eine operative Marge von drei Prozent erreicht – der variable Lohnbestandteil betrug 790000 Euro.

Der durchschnittliche Gesamtlohn eines Vorstandsmitglieds der Lufthansa betrug 2003 rund 900000 Euro. 2013 lag der Durchschnittslohn eines Vorstandes bei 1600000 Euro. Ein satter Lohnsprung von 77 Prozent.

 

1,2 Millionen

2010 hat das Management der Lufthansa beschlossen, die variable Vergütung des Aufsichtsrats nicht mehr an die ausgeschüttete Dividende zu koppeln, sondern an das Ergebnis je Aktie. Durch diese Änderung wurde das variable Gehalt jedes Aufsichtsrats pro Jahr im Schnitt um rund 60000 Euro aufgebessert. Das 20-köpfige Gremium hat die Lufthansa in den Jahren 2010, 2011 und 2012 dadurch jährlich 1,2 Millionen mehr gekostet als mit der ursprünglichen Vergütungsstruktur. 2012 hat Christoph Franz das Sparprogramm «Score» ins Leben gerufen. Die Welt titelte: «Die goldenen Zeiten sind vorbei». Seit 2013 wird dem Aufsichtsrat keine variable Vergütung mehr ausgezahlt. Das Grundgehalt wurde jedoch nochmals um 60 Prozent erhöht.


Responses

  1. Danke Aeropers für diesen Durchblick, den ihr uns mit eurem Schreiben verschafft. Und was mich besonders freut ist, dass ihr uns, das Kabinenpersonal, erwähnt und euch solidarisch zeigt.

    • Die Aeropers will nur von ihrem drohenden Machtverlust ablenken und zeigt mit dem Finger immer auf die Anderen anstatt die Perspektive mal zu wechseln und von anderen Perspektiven auf das aktuelle Geschehen zu blicken.

      Sicherlich dieser Artikel ist sehr gut geschrieben und ich stehe auch dahinter was hier geäußert wird.
      Was mit dem Kabinenpersonal geschieht ist einfach nur traurig aber das ist in vielen Airlines dasselbe Theater siehe LH.

      Aber die Aeropers interessiert sich für niemand Anderen als sich selbst, dass zeigt die Vergangenheit und auch das aktuelle Geschehen.

      Durch die massiven Fehlentscheidungen und Einschätzungen in letzter Zeit werden sich die Konsequenzen unweigerlich durchziehen. Jetzt wird eben versucht durch viel PEINLICHE Polemik und viel Trara auf den aktuellen Mgmt Kurs Einfluss zu nehmen (der sicherlich nicht fair aber doch ein tragbarer und zukunftsweisender ist).

      Bzgl des Kabinenpersonals sollten einfach 10% des Pilotencorps Salärs an die Cabincrew verteilt werden.
      Aber so etwas wäre für die Aeropers utopisch, da wären wir wieder beim Punkt !!

  2. Lieber Swissness

    Vielen Dank, dass Sie sich zu diesem wichtigen Thema so engagieren. Allerdings liegen Sie mit der Einschätzung, wir hätten Angst vor einem Machtverlust, falsch. Uns geht es um unsere Firma, für die wir ein ganzes Arbeitsleben lang tätig sein wollen, um unsere Passagiere zuverlässig und sicher zu ihren Zielort zu fliegen. Diese Firma ist durch die wirtschaftlich unsinnigen und sozialpolitisch völlig fehlgehenden Handlungen des Managements in ihrem Erfolg bedroht. Man versucht hier einen langjährigen Sozialpartner, der der Firma auch in schwersten Zeiten zur Seite stand und erhebliche Einschnitte in Kauf nahm, die bis heute nicht ausgeglichenen wurden, durch Druck zu eliminieren bzw. massiv zu unterwandern. Dies kann kein Arbeitnehmer – gleichgültig aus welcher Brache – tatenlos hinnehmen.

    Ihr Vorschlag mit der Umverteilung unseres Salärs ist grundsätzlich interessant. Die Realität lässt diesen ehrenvollen Vorschlag jedoch nicht über den Ideenstatus hinaus wachsen. Wenn wir 50% unseres Salärs geben würden, stiege lediglich die Dividende der Shareholder der Lufthansa, das Salärs der Kabinenkollegen aber garantiert um 0 Rappen – also gar nicht.

    Leider scheint es sich auch bei uns immer mehr zu bewahrheiten, dass Manager vor allem nur an sich selbst denken und nicht an das Wohl der Firma und ihrer Angestellten.


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