Verfasst von: aeropersredaktion | 27/10/2014

Professionelle Analyse des Neue-Strategie-Werbefilms bestätigt die Kritik daran

Der Werbefilm zum «neuen Auftritt der Swiss» brachte das Fass in der Debatte um die Führung der Swiss nun endgültig zum Überlaufen. Eigentlich sollte der Film die Mitarbeiter motivieren, die neue Strategie erklären – doch Gegenteiliges geschah: Die Mitarbeiter waren wutentbrannt, einige forderten das Ausschalten des Films, manch andere verliessen sogar den Saal.

Noch vor Ende der Präsentation des Imagefilms muss der Swiss- CEO Hohmeister – auf Drängen der Anwesenden- persönlich den Film wieder abschalten. Dies berichtete einer der anwesenden Mitarbeiter sogar der Presse. Lesen Sie selbst: http://www.blick.ch/news/wirtschaft/neue-strategie-schockt-angestellte-aufstand-bei-der-swiss-id3173831.html.

Der Werbefilm kursierte natürlich ziemlich schnell im Internet und stiess nicht nur uns Mitarbeitern sauer auf. War das Video wirklich so schlimm oder war die ganze Aufregung übertrieben?

Vermutlich nicht, denn auch die professionelle Analyse eines Kommunikationsberaters (Knill +Knill) lässt kein gutes Haar an dem Swiss-Filmchen und zerreisst die angeblich positive Message der Swiss-Führung über „eine neue Ära“ in der Luft. (http://www.rhetorik.ch/Aktuell/14/10_05/index.html)

Während in dem Film zwar die Rede von Investitionen in „modernste Flotten, zahlreichen neuen Destinationen“ und einem „attraktiven Produkt“ ist, gibt dieser in leicht herablassendem Ton einen Vorgeschmack darauf, was dies für die Zukunft für uns Angestellte und auch für unsere Fluggäste heisst: Verschlechterung.

Einer der Pfeiler, auf dem die neue Firmenstrategie beruht, sind (neben den modernen Flugzeugen und Diensten, den personalisierten Produkten, der erhöhten Wettbewerbsfähigkeit und den effizienteren Kostenstrukturen) die motivierten Mitarbeiter – die #Next Generation Airline of Switzerland. Komisch, wo doch gerade in Deutschland die Piloten-Kollegen mal wieder zum Streik gezwungen werden und wir Schweizer Piloten gegen unseren Arbeitsgeber klagen, nachdem dieser den GAV kündigte.

Woraus der „gute Plan“ besteht, den die Filmstimme versichert, bliebt äusserst fragwürdig.

In Kommunikationsprozessen gilt laut der Knill+Knill Kommunikationsberatung das folgendes Prinzip „Wenn die Botschaft falsch oder missverständlich angekommen ist, ist der Sender der Nachricht schuld.“

Wieso wirkte der Film, der eigentlich zur Mitarbeitermotivation angedacht war, so kontraproduktiv?

  • Die Botschaft stimmt mit dem Verhalten der Firma nicht überein: Passagierzahlen werden erhöht, Plätze enger und die Zahl der Crew bleibt gleich.
  • Wort und Bildaussage ist dilettantisch gemacht: Zu viel wird in den Film eingepackt. Der Schnitt ist zu wirr, zu schnell. Die Kindergartenzeichnungen überzeugen nicht. Das ganze verwirrt – ist viel zu hektisch. Eine schlechte Nachricht darf nicht so vermittelt werden.
  • Die Prinzipien der Verständlichkeit (von Schulz von Thun) werden missachtet: Einfachheit, Struktur, Kürze und konkrete Beispiele.            (Quelle Knill+Knill)

„Die Verantwortlichen der Swiss hätten bei der neuen Strategie – die für viele eine Verschlechterung der Situation bedeutet – eine andere dialogische Form der Kommunikation wählen müssen. Die Botschaft an die Kunden oder Mitarbeiter muss dem Adressaten angepasst werden. Die Aussagen verprellten die Mitarbeiter. Auch für die Kunden taugt der Film nicht: Diese interessieren sich vor allem für die künftigen Preisen, die Veränderungen beim Komfort? Für die Fluggäste verdienen die Piloten genug. Ich bin sicher, dass das Filmchen recht viel Geld gekostet hat. Die wirren Aussagen haben aber den Zweck nicht erfüllt. Weder für die Mitarbeitenden noch für die Kunden. Im Gegenteil: Die Mitarbeiter wurden noch mehr demotiviert. Bei Schlecht-Nachrichten darf nichts beschönigt werden. Es geht um Transparenz und einleuchtende Begründungen. Die Betroffenen gilt es zu überzeugen. Sie müssen einsehen, dass Opfer gebracht werden müssen.“

Wir sind enorm erleichtert, dass nicht nur wir Angestellte diese Wahrnehmung haben, sondern dass neutrale Kommunikationsspezialisten das genauso „als danebengegangen“ empfinden.

Swiss-Sprecher, Daniel Bärlocher, argumentiert diesbezüglich: „Wir passen die Unternehmensstrategie dem strukturellen Wandel in der Airline-Industrie an.“ Dazu bleibt nur noch eins zu antworten: „Na dann einen guten Flug und schöne Reise!“


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