Verfasst von: aeropersredaktion | 25/11/2014

Wenn das Management will, dass wir ans Limit gehen, ist das wie eine Aufforderung, ständig mit 0.5 Promille Auto zu fahren

Das folgende Video des US-Pilotenverbandes zeigt auf, wie der angebliche allgemeine Pilotenmangel von Airlines missbraucht wird, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Es zeigt ebenfalls auf, dass Pilotenmangel weniger ein allgemeines Phänomen ist, als ein Problem speziell jener Airlines, die ihren Piloten zu schlechte Arbeitsbedingungen gewähren und für die Sicherheit und Zuverlässigkeit nicht oberste Priorität haben.

Quelle: http://www.alpa.org/portals/alpa/payandbenefitsshortage/

Auch in Europa kennen wir den kreativen Umgang mit Fakten.

In einem Interview hat Swiss-CEO Hohmeister dieses Jahr gesagt, dass wir bei Swiss als Piloten mit unserem Vertrag nicht konkurrenzfähig seien. Er hat auf die EASA Flight Time Limitations (FTL) hingewiesen, die viel mehr zuliessen als unser Swiss Arbeitsvertrag. Heisst das, wir haben noch viel zu gute Arbeitsbedingungen?

Nein! Denn hier zeigt sich ein falsches Verständnis der EASA FTL und eine Ignoranz gegenüber jeglichen Sicherheitsstandards: Die EASA FTL stellen lediglich gesetzliche Limiten dar. Sie sind somit ein absolutes, nicht zu verletzendes Minimum. Wie in anderen Bereichen garantieren diese gesetzlichen Limiten aber keinesfalls verantwortungsbewusste, sinnvolle und sichere Operation.

Mit bekannten Beispielen aus dem Strassenverkehr lässt sich das gut aufzeigen:

  1. Es gibt ein gesetzliches Alkohollimit von 0.5 Promille. Kann nach einem Unfall aber ein Blutalkohol von auch nur 0.4 Promille festgestellt werden, wird schnell von einem zumindest fahrlässigen Verschulden ausgegangen. Es entspricht definitiv nicht einem verantwortungsbewussten Verkehrsteilnehmer, wenn er konstant und konsequent mit knapp unter 0.5 Promille Auto fährt, auch wenn dies noch legal wäre.
  2. In der Schweiz gilt bei der Bereifung eine legale minimale Profiltiefe von 1.6 Millimeter für Sommer- und Winterreifen. Es besteht zudem keine Pflicht für Winterreifen. Wer aber mit seinem Auto mit Sommerreifen und einer Profiltiefe von 1.7 Millimetern (also noch über dem legalen Minimum) auf Schnee einen schweren Unfall verursacht, wird sich womöglich mit einer Strafklage wegen Grobfahrlässigkeit konfrontiert sehen.

Und genauso ist es mit den gesetzlichen Limiten bei den Flug- und Ruhezeiten. Sie dürfen nie und nimmer der Massstab sein für eine sichere Flugoperation.

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Responses

  1. Entgegen dem was ich den verschiedenen Quellen entnehmen kann, sollte man sich selbst hinterfragen anstatt immer das böse Management für alles Verantwortlich zu machen. Soweit mir bekannt ist wurde der abgelehnte GAV von den anderen Piloten der Swiss angenommen und die scheinen nicht darüber zu meckern, jedenfalls hört man da gar nix…
    Demfall arbeiten andere zu wesentlich schlechteren Bedingungen!

    Und so ein Blödsinniger Vergleich ist jawohl der grösste Bullshit aller Zeiten!

    Man liest hier keine konkreten Vorschläge oder Vorstellungen sondern seit einigen Monaten nur Polemik Polemik Polemik…


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