Verfasst von: aeropersredaktion | 04/12/2014

Mit Aeropop hat der Blick einen kapitalen Bock geschossen

Unter dem Titel «Swiss-Piloten warnen vor Überfremdung im Cockpit» hat der Blick gestern eine gewaltige journalistische Fehlleistung zustande gebracht. Zitat:

Aeropers-Recherchen über Piloten der Air France legten nahe, dass Piloten, die nicht von der Airline selbst ausgebildet würden, ein Risiko seien. Aeropers kämpft mit allen Mitteln um ihre Pfründe. Sind nur Schweizer Piloten gut genug für ein Schweizer Cockpit? Das tönt mehr nach Aeropop als nach Aeropers. Zur Erinnerung: Aus Ecopop wurde am Wochenende ein veritabler Ecoflop.

Was ist daran falsch?

  1. Es geht uns nicht um die Frage, welche Nationalität die Piloten haben. Die meisten neuen Swiss-Piloten kommen sowieso aus Deutschland. Die Herkunft spielt definitiv keine Rolle und Schweizer sind auch keine besseren Piloten als die Piloten anderer Länder.
  2. Es geht hingegen durchaus um die Frage, in welche Sicherheitskultur Piloten ihre Karriere gemacht haben. Jede Airline hat ihre eigene Sicherheitskultur. Auch wenn diese gleich gut sind, sind sie immer doch eines: anders. Wenn Piloten, die in der einen Sicherheitskultur ihre bisherige Karriere machten, zu einer anderer Airline mit anderer Sicherheitskultur wechseln, dann gibt zum Beispiel eine grössere Gefahr von Missverständnissen im Cockpit. Und das will in kritischen Situationen nun niemand haben. Deshalb gibt es das Senioritätsprinzip: solche Piloten müssen auf der untersten Stufe der Karriereleiter einsteigen, damit sie in die neue Sicherheitskultur mit der dafür notwendigen Zeit hineinwachsen können.
  3. Wir von AEROPERS machen uns Sorgen, dass es Bestrebungen gibt, Piloten anderer Airlines unter Umgehung des Senioritätsprinzips einzustellen. Man nennt dies auch Direct Entries. Denn bei Direct Entries hat man dann die Situation von zwei Piloten im Cockpit, die sich eigentlich verstehen sollten, es in Wirklichkeit aber vielleicht doch nicht tun. Das Problem stellt sich konkret im kommenden Jahr, wenn die Swiss die Einflottung der neuen Boeing 777 vorbereitet, die vertragswidrig den Swiss-Kurzstreckenpiloten zugesprochen wurden, und es dem Swiss-Management nicht gelingen sollte, genügend AEROPERS-Piloten zu überzeugen, in das Kurzstrecken-Korps mit seinen schlechteren Arbeitsbedingungen hinüberzuwechseln.
  4. Dass dies keine theoretischen Befürchtungen sind, zeigt das Beispiel der Air France. Sämtliche Piloten, die in den letzten Jahren in Unfälle verwickelt waren, waren Direct Entries…

Fazit: der gewaltigste Flop ist dieser Blick-Artikel…


Responses

  1. Danke für diesen sehr interessanten Blickwinkel und die Erklärungen. Weiter so. Beste Grüsse, L. Bilker


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: