Verfasst von: petermetzinger | 07/12/2014

Direkteinstieg führt zu mehr Unfällen

Swiss-Piloten: Direkteinstieg führt zu mehr Unfällen

Das Senioritätsprinzip, welches Harry Hohmeister in einem Interview am Rande des WEF in Davos (2013) „sehr fraglich“ und „nicht sinnvoll“ empfand, ist für uns Piloten eine Unumgänglichkeit. Für Laien vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar, sorgt das Senioritätsprinzip jedoch für die Sicherheit unserer Fluggäste durch eine notwendige Sicherheitkultur an Bord: Dafür, dass es im Cockpit nicht zu Missverständnissen kommt, und dass alle “auf einer Linie” sind. Dafür, dass sicherheitsrelevante Entscheidungen schnell und ohne Reibereien gefällt werden können. Dafür, dass die Piloten sich kennen, sich vertrauen und sich verständigen können. Weitere Details über das Senioritätsprinzip können Sie diesem Blogbeitrag entnehmen.

Dass nur das Senioritätsprinzip die notwendige Sicherheitskultur gewährleistet, zeigt auch dieser Artikel der Schweiz am Sonntag:

© Schweiz am Sonntag / MLZ; 07.12.2014

Zahlen aus Frankreich sollen die Swiss im Streit mit den Airbus-Piloten zum Einlenken bringen

Statistiken zeigen: Bei der Fluggesellschaft Air France gab es in den letzten Jahren vor allem dann Unfälle, wenn Piloten im Cockpit sassen, die noch nicht lange zusammen gearbeitet hatten. Das sagt Rolf Odermatt, Präsident der Gewerkschaft Aeropers, welche die Langstreckenpiloten der Swiss vertritt.

Die Daten, die von einem Aeropers-Mitglied ausgewertet worden seien, zeigten, dass bei den meisten Unfällen der Air France Piloten beteiligt gewesen seien, die entweder zuvor in eine hohe Position direkt eingestiegen oder die über eine Fusion zu Air France gestossen seien. Piloten, die keine klassische Karriere nach dem Senioritäts-Prinzip hinter sich hatten. Traditionell steigen Piloten in einer Fluggesellschaft von kleinen zu grösseren Flugzeugen auf, um am Ende Flugzeuge wie den Doppelstöcker A-380 oder das Boeing-Parademodell 777 zu steuern.

Aeropers will diese Erkenntnis nutzen, um im Rahmen eines Personalstreits Druck auf die Swiss auszuüben. Diese hat neu einen Vertrag mit den Swiss-Regionalpiloten der Gewerkschaft IPG abgeschlossen, wonach sie die demnächst einzuführende Boeing 777 fliegen sollen – und nicht die Langstrecken-Piloten der Aeropers. Aeropers steht bisher das Steuern der «Triple-Seven» gemäss geltendem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) zu. Dieser wurde vor kurzem gekündigt – allerdings erst per Ende 2016. Die Sozialpartner streiten sich nun darüber, was das für die Einführung des neuen Flugzeugs bedeutet.

Die Swiss hoffe, dass Aeropers-Piloten zu günstigeren Konditionen in das IPG-Corps wechselten, sagt Odermatt. Und sie setze auf Quereinsteiger von anderen Airlines, wenn sich nicht genug eigene Piloten finden liessen. «Am Ende sitzen im Cockpit zwei Piloten, die nicht aus der gleichen Sicherheitskultur stammen.» Das habe man in der Schweiz bereits einmal gehabt, sagt Odermatt, und spielt damit auf die Crossair an. Beim Absturz in Nassenwil im Jahr 2000 soll es Verständigungsprobleme zwischen den Piloten gegeben haben, die aus Moldawien und der Slowakei stammten.

Die Swiss betont auf Anfrage, bei ihr gelte das Senioritätsprinzip nach wie vor. Man sei «zuversichtlich», sich mit den Airbus-Piloten zu einigen.

Michael Heim

Auch wenn Hohmeister das Senioritätsprinzip als „ein veraltetes System“ verunglimpft, halten wir Piloten weiterhin daran fest, da für uns die Sicherheit der Fluggäste immer an erster Stelle steht und sogar Leben retten kann. Um die Sicherheit der Fluggäste weiterhin zu gewährleisten, müssen direct entries – als lebensgefährlicher Risikofaktor- verhindert werden.


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