Verfasst von: aeropersredaktion | 09/12/2014

Nun trifft es die nächste schweizer Tochterfirma einer deutschen Mutter: Air Berlin

Belair Airlines AG verweigert nun die GAV-Gespräche und riskiert somit einen Arbeitskampf, wie belpers – die Pilotenvereinigung der Belair- in der letzten Medienmitteilung veröffentlichte.

Auch bei der Belair Airlines AG haben sich die Arbeitsbedingungen der Piloten massiv verschlechtert, so dass Gespräche über die gemeinsame Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen in einem Gesamtarbeitsvertrag durch das Belair-Management kategorisch abgelehnt wurden. In der Urabstimmung stimmten 92% der stimmberechtigten Mitglieder von belpers für die Ergreifung von Arbeitskampfmassnahmen. Woraufhin ein Streik vorprogrammiert ist, sollte sich die Unternehmensführung weiterhin den Gesprächen verweigern.

Den Belair-Mitarbeitern war unlängst durch die Air-Berlin-Führung eröffnet worden, dass sie entweder unter anderem beim Gehalt enorme Abstriche hinnehmen müssen oder die Airline im extremsten Fall ganz dicht gemacht wird. Insgesamt sollen jährlich rund acht Millionen Euro eingespart werden. Dies soll insbesondere durch Lohnkürzungen zwischen zehn Prozent beim Kabinen- und Bodenpersonal und 20 Prozent in der Chefetage, erreicht werden. Zudem wird jeder Zehnte der 80 Belair-Piloten in die Kategorie „Überbestand“ eingestuft.

Medienmitteilung belpers vom 8.12.14

8. Dezember 2014 Belair Airlines AG hat die Arbeitsbedingungen der Piloten massiv verschlechtert. Gespräche über die gemeinsame Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen in einem Gesamtarbeitsvertrag werden durch das Belair-Management kategorisch abgelehnt. Als letztes Mittel zur Wahrung der eigenen Interessen stimmten in einer Urabstimmung 92% der stimmberechtigten Mitglieder von belpers für die Ergreifung von Arbeitskampfmassnahmen.
Als Vereinigung sämtlicher bei Belair angestellter Piloten fordert belpers die Aufnahme von Gesprächen über die Aushandlung eines Gesamtarbeitsvertrages. belpers offeriert auf diesem Wege substantielle Einsparungen. Das Belair-Management lehnte solche Gespräche bisher entschieden ab und ging auf konkrete Vorschläge betrieblicher Massnahmen zur Restrukturierung und Effizienzsteigerung seitens belpers nicht im Ansatz ein. Auch ein Vermittlungsverfahren vor dem kantonalen Einigungsamt Zürich, das von belpers angestrengt wurde, musste infolge mangelnder Diskussionsbereitschaft des Managements eingestellt werden. An einer gemeinsamen Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen bestand und besteht seitens Belair kein Interesse. Es werden keine gemeinsamen Lösungen gesucht, sondern Veränderungen nach den Vorstellungen des Managements einseitig erzwungen. Dies geschieht unter Ausnützung von Existenzängsten und der besonderen Abhängigkeit der Piloten vom Arbeitgeber. In der Schweiz sind kaum freie Stellen vorhanden und in den seltensten Fällen wird die gesammelte Berufserfahrung anerkannt.
Die Karrieren von Piloten sind in der Regel auf den Verbleib bei einem Arbeitgeber ausgelegt. „Die Piloten der Belair haben traditionell eine grosse Bindung zum Unternehmen und waren auch in der Vergangenheit immer bereit, einen überdurchschnittlichen Beitrag für das Unternehmen zu leisten. Das Vorgehen des Managements gefährdet die Grundlage eines vertrauensvollen, konstruktiven Miteinanders“, sagt belpers-Präsident Arne von Schneidemesser. Die nun in Form von Änderungskündigungen der gültigen Einzelarbeitsverträge für alle Piloten einseitig durchgesetzten Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen sind erheblich. Sie führten im Schnitt zu Einkommenseinbussen von über 30%. Zusätzlich wurde die mögliche Arbeitszeit (Arbeitstage im Jahr) im Schnitt um 18% erhöht. belpers bleibt gesprächsbereit, evaluiert aber derzeit Massnahmen, um ihrer Forderung nach Aufnahme von Gesprächen mit dem Belair-Management zum Durchbruch zu verhelfen. Die Möglichkeiten reichen bis hin zur vollständigen Bestreikung der Air Berlin-Flüge ab der Schweiz, sollte Belair nicht zu Verhandlungen bereit sein.

Bleibt den Piloten eine andere Wahl, als die schlechten Konditionen zu akzeptieren oder sind die angesagten Kampfmassnahmen die einzige Alternative? Vor allem hinsichtlich dem Faktum, dass Pilotenstellen in der Schweiz sehr rar sind und bei einem Wechsel der Airline die geleisteten Dienstjahre meist nicht angerechnet werden. (Das ist eben der Nachteil des Senioritätsprinzips für uns Piloten – dennoch sind wir dafür.)


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