Verfasst von: aeropersredaktion | 14/12/2014

So sieht es bei der deutschen Lufthansa aus – Kritik an der Personalpolitik

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, sagte: „Um unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern (…) entwickeln wir bestehende Geschäftsbereiche weiter, indem wir ihre Effizienz kontinuierlich steigern. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit dieser Strategie erfolgreich sein werden, denn Lufthansa hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass das Unternehmen flexibel auf den dynamischen Wandel der Märkte reagieren kann und aus Herausforderungen gestärkt hervorgeht.“
Man kann sich denken, welcher der Geschäftsbereich in Zukunft von den Einsparungen betroffen sein wird. Eine rationalisierte Personalpolitik wird für „die signifikanten Fortschritte bei der Kostensenkungen“ sorgen.
Das Management rechtfertigt sein radikales Rationalisierungsprogramm, welches insbesondere die Investoren begünstigt, mithilfe des Beratungsunternehmens Boston Consulting. Die Strategie lautet, die Mitarbeiter mithilfe einer Angstkampagne so in die Defensive zu treiben, dass sie am Ende froh sind, nur 5-10 % ihres Salärs abgeben zu müssen, um dafür den Arbeitsplatz behalten zu dürfen. Dabei beruft sich das Management auf die unternehmerischen Freiheiten und will keinen Unterwanderungs- / Markenschutz mehr, der dafür sorgt, dass zum Beispiel auch wirklich Lufthansa drin ist, wenn Lufthansa drauf steht. Die Personalkosten sind die einzigen Variablen, auf die das Management noch drücken kann.
Die Parallelen der deutschen Lufthansaführung zu der Swiss Unternehmensführung sind eindeutig:
Da wäre die positive Stimmungsmache des CEO in den Medien, der auf eine baldige Lösung des Problems hofft, während gleichzeitig die Arbeitnehmervertretung öffentlich diffamiert wird. Es handele sich um „alte Privilegien der Piloten“, die scheinbar auf dynamischen Märkten mit Billiglohnmentalität, keine Zukunft haben, wird gesagt. Warum wir Piloten nicht unüberlegt jeden Unsinn mitmachen, haben wir schon am Freitag kurz erläutert. Diffamierung, egal was es kostet, scheint auch der Ansatz des Swiss Managements zu sein, wobei jedoch vergessen wird, dass die Schweizer Mentalität nicht der deutschen Billigmentalität entspricht. Schweizer wollen Qualität und sind bereit für ein gutes Produkt oder Dienstleistung entsprechend zu zahlen. Wer billig möchte – kann gleich eine Billigairline buchen.
Das Management sucht am Verhandlungstisch auch nicht nach Lösungen,sondern vornehmlich nach Problemen.
Einlenkende, neue Angebote kamen auch bei der Lufthansa seitens der Arbeitnehmer, die eine Annäherung versuchten, nicht seitens des Managements. Dieses wiederrum reagierte nicht einmal auf die friedlichen Einigungsversuche. Da es sich angeblich um „irrationalen Forderungen“ handelt, scheint es dem Management nicht um eine wirtschaftliche Lösung des Problems zu gehen.
„Es wurde deutlich, dass es dem Management nicht um Lösungen geht, sondern darum, ein autokratisches Führungsmodell wie bei den Airlines der Golf-Staaten durchzusetzen. In einem solchen haben Ansprüche wie Mitbestimmung und gemeinsame Gestaltung von Tarifbedingungen mit dem Personal keinen Raum. Tarifverträge, wie der Übergangsversorgungstarifvertrag werden offensichtlich als Behinderung der uneingeschränkten unternehmerischen Freiheit empfunden. Es kann aber kein Kompromiss gefunden werden, wenn das Management die Grundsätze einer tariflichen Partnerschaft negiert. Die Äußerungen über eine angebliche Annäherung in den Medien sollen aus unserer Sicht nur die Öffentlichkeit über die wahren Ziele des Managements hinweg täuschen“, so Jörg Handwerg, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit.
Dass die Lufthansa mit diesem rationalisierten Führungsprogramm gut „fährt“, zeigt die Unternehmensbilanz. Diese prognostizierte für das Jahr 2014 Gewinne von einer Milliarde Euro. Tatsächlich erwirtschaftete die Lufthansa 849 Millionen Euro – somit wurde die Ergebnisprognose bestätigt, trotz der Streiks der deutschen Kollegen. Wobei allerdings nicht unerwähnt bleiben soll, dass ein bei weitem überdurchschnittlicher Anteil des Gewinns hier in der Schweiz erwirtschaftet wird…
Sollte es in der Schweiz jemals – nicht vor Ende 2016 – zu einem Streik kommen, kann niemand sagen, wir Piloten hätten nicht verzweifelt nach Lösungen gesucht, ihn zu verhindern. Wir bieten immer wieder neue Lösungen an. Und wir werden damit nicht aufhören, solange Gespräche überhaupt stattfinden.


Responses

  1. Danke. Wahre Worte liest man zu diesem Thema leider immer seltener…


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