Verfasst von: aeropersredaktion | 02/02/2015

Flag of convenience in der Luftfahrt

Der Begriff der Flag of convenience (deutsch: Ausflaggen) entstammt der Schifffahrt und ist als Wechsel der Nationalflagge, ohne dass sich die Eigentumsverhältnisse am Schiff ändern, zu verstehen. Das Prinzip findet sich inzwischen immer häufiger auch in der Luftfahrt wieder. Dort wird das Prinzip dadurch umgesetzt, in dem das vom Luftfahrzeug geführte Staatsangehörigkeitszeichen nicht mit der Nationalität des wirklichen Betreibers übereinstimmt.

Gründe dafür in der Luftfahrt sind beispielsweise:

  • Kosteneinsparungen durch Verlegung des Firmensitzes in steuerlich günstige Länder oder durch personalpolitisches  sowie sozial- bzw. arbeitsrechtliches Ausflaggen
  • Vorteile in unbürokratischen Ländern ausnutzen
  • Unterschiedliche Zulassungs- und Wartungsmodalitäten
  • Geleaste Flugzeuge verbleiben im Eigentum des Leasinggebers und werden somit auch am Firmensitz des Leasinggebers in die Luftfahrzeugrolle eingetragen

Beispiele 

Auch hier wieder das bekannte Beispiel der Norwegian Air. Diese hat ihren „Hauptsitz“ in Irland, um die strengen Arbeits- und Sozialgesetze Norwegens zu umgehen. Ihre Piloten rekrutiert sie über eine Agentur in Singapur und stattet sie mit thailändischen Verträgen aus. In Russland zum Beispiel werden viele Maschinen russischer Fluggesellschaften, die nicht in Russland gebaut wurden, aufgrund von Leasingverträgen bzw. zur Umgehung von Zollkosten beim Import aus dem Ausland, in Frankreich, Irland, Deutschland oder auf den Bahamas registriert. Viele Halter von kleineren, privaten Maschinen lassen diese gerne in den Vereinigten Staaten registrieren, da die Wartungsvorschriften dort unbürokratischer sind. Die Wartung kann dabei selbst übernommen werden, wodurch die Kosten einer Wartung durch luftfahrttechnische Betriebe eingespart werden. Diese Auflistung könnte man fast unendlich fortsetzen.

Personalpolitisches Ausflaggen

Ziel und Motivation dabei sind, Unterschiede in Tarifverträgen und Kostenstrukturen zum eigenen Vorteil auszunutzen. Wenn die Flugzeuge eines Luftverkehrsunternehmers von betriebsfremdem Personal besetzt werden oder ganz von einem Subunternehmer in den Farben, auf den Routen und teilweise unter dem Rufzeichen des Auftraggebers operiert werden.

Wie wir schon in einem vorherigen Blogbeitrag hingewiesen haben, fördert dieses Vorgehen den unfairen Wettbewerb. Dazu sehen Sie auch dieses Video.

Auf den ersten Blick scheint dieses Vorgehen für den Endkunden von Vorteil – der niedrigere Preis des Flugtickets lockt. Wenn man aber das Thema Sicherheit und Zuverlässigkeit ernst nimmt, dann sollte man beim Kauf eines Flugtickets bei Norwegian und anderen Anbietern dieser Art, den Preis und die Gründe dafür, dass dieser Preis möglich ist, hinterfragen.

Es ist faszinierend, dass Leute tagelang im Schlafsack vor einem Apple-Laden campieren und enorme Summen für Technik ausgeben und beim Fliegen, wo es um ihr Leben geht, sparen wo es nur geht. Fliegen ist gefährlich und top ausgebildete Piloten, wie unsere, machen es zuverlässig und sicher. Schlecht ausgebildete Piloten oder solche, die unter einem immensen wirtschaftlichen Druck stehen, sind fliegende Unsicherheitsfaktoren. Und wenn bei der Fliegerei heute etwas schiefgeht, dann lassen Menschen ihr Leben. Ein Menschenleben sollte mehr wert sein, als ein paar gesparte Euros. In erster Linie geht dieser Appell an die Airlines, die für jene Rahmenbedingungen sorgen müssen, die sicheres Fliegen ermöglichen.


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