Verfasst von: aeropersredaktion | 06/02/2015

Der unfaire Wettbewerb – Pay to Fly 

Die Pilotenausbildung ist eine der teuersten Ausbildungen überhaupt. Gute Flugschulen müssen von den auszubildenden Piloten selbst bezahlt werden. In der Ausbildung enthalten sind viele Flugstunden in einem Simulator und auch Flugstunden in der Luft – deren Anzahl ist für die Anstellung als Airline-Pilot aber scheinbar nicht ausreichend. Die Lizenz und die Urkunde in den Händen zu halten, scheint noch lange keine ausreichende Grundlage zu sein, um auch als Pilot arbeiten zu dürfen. Nach der Pilotenausbildung befinden sich die jungen Piloten in prekären Beschäftigungsverhältnissen, die meistens sind nicht einmal bei einer Airline.

Der Grund dafür ist, dass die Airlines immer wieder Stellen wegrationalisieren und dementsprechend auch kaum mehr Piloten eingestellt werden. So hat die AirFrance beispielweise seit 2009 keine neuen Piloten mehr eingestellt und hat dies bis voraussichtlich 2017 auch nicht mehr vor.

In diesem Dokumentarfilm wird verdeutlicht, dass 80% der fertig ausgebildeten Piloten der ENAC (École nationale de l’aviation civile, eine staatliche französische Hochschule für zivile Luftfahrt) keine Airlinepiloten werden, da sie keine Stelle bekommen. Dies liegt nicht an der mangelnden Ausbildung, denn die Piloten die diese absolvieren, sind ein elitärer Kreis. Doch auch nach Abschluss dieser Ausbildung sitzen die fertigen Piloten nicht im Cockpit, sondern an der Kinokasse oder im Supermarkt und gehen Teilzeitjobs nach – in der Hoffnung auf eine baldige Pilotenstelle bei einer Fluggesellschaft.

Bei den geringen Anzahl an vorhandenen Angeboten auf dem Stellenmarkt fällt immer wieder die enorm hohe Anzahl an Flugstunden mit dem Fliegermodell der jeweiligen Fluggesellschaft auf, welche als Mindestanforderung gelten. Da die Piloten nach ihrer Ausbildung aber niemals dieses hohe Mass an Flugstunden vorweisen können, bieten die Airlines extra Schulungen an, um auf die von Ihnen geforderten Flugstundenzahl zu kommen. Dies bedeutet im Klartext: Die Piloten müssen erst mal mehrere 10.000 Euro bezahlen, um überhaupt für die Airline arbeiten dürfen. In dieser zusätzlich kostenpflichtigen Ausbildung erfolgt weitestgehend ein Training in Flugsimulatoren und daneben ein wenig Training in der Luft, wie im Dokumentarfilm von Betroffenen berichtet wird.

Das dahinter verborgene Prinzip ist bekannt als die Praktik des Pay to Fly. Das bedeutet, dass die fertig ausgebildeten Piloten benutzt werden, um unentgeltlich für die Airlines zu fliegen. Anstelle des ihnen zustehenden Entgelts fliegen sie somit meist umsonst bzw. müssen sogar noch ihre Arbeitgeber dafür bezahlen, überhaupt für diesen fliegen zu dürfen.

In dem Beitrag werden reale Vorfälle dieser jungen Piloten begleitet. Das Stellengesuch der Tunisair z.B. fordert eine Mindestanzahl an Flugstunden mit einem speziellen Modell, was die Piloten 85.000 € kostet. Bei einer griechischen Airline dürfen die Piloten gegen eine Bezahlung von 55.000 € fliegen, der gleiche Betrag wird vom einer polnischen Airline genannt, wobei hier die jungen Piloten 400€ pro Monat als Vergütung erhalten – bei einer Wochenarbeitszeit von 80 h.

Ist dieses Prinzip gerechtfertigt? In welchem anderen Beruf gibt es sowas? In einem früheren Beitrag haben wir schon einmal von dieser Praktik berichtet und die Situation mit einem Arzt verglichen. Stellen Sie sich mal vor, ein Assistenzarzt müsste einem Krankenhaus eine Betrag in Höhe von tausenden von Schweizer Franken zahlen, um Patienten für das Krankenhaus zu operieren. Es wäre ein riesiger Skandal. In der Luftfahrt muss es hingenommen werden, weil die Piloten sowieso immer Angst um ihre Stellen haben müssen und ständig von Unsicherheiten bedroht sind.

Bei der Verantwortung, die ein Pilot trägt, ist eine gute Ausbildung und die Berufspraxis das A und O. Junge Piloten brauchen ausreichend Übung, um eine Passagiermaschine zu fliegen und sich der damit einhergehenden Herausforderung und Verantwortung gewachsen zu fühlen. Eine entsprechende Anzahl an Flugstunden ist dafür unbedingt notwendig, allein um Sicherheit und eine gewisse „Routine“ in den Abläufen zu bekommen. Es ist unglaublich, dass gewisse Fluggesellschaften die Abhängigkeit junger Piloten so eiskalt ausnutzen und dafür eine Bezahlung einfordern.

Wir fordern auch für junge Piloten den fairen Wettbewerb, der die Zuverlässigkeit der Piloten und die Sicherheit der Fluggäste gewährleistet. Denn Sicherheit und Zuverlässigkeit stehen für uns AEROPERS-Piloten an erster Stelle.


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