Verfasst von: aeropersredaktion | 02/03/2015

Die öffentliche Meinung über Billig vs. Sicherheit 

Aufgrund unser Medienmitteilung vom 17.02.15 veröffentlichte 20 Minuten am 20.02.15 einen Artikel, der erneut heftige Diskussionen auslöste. Auch diesem Artikel liegt die Studie der Universität Gent, bei der 6.000 Piloten befragt wurden, zugrunde. Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung des Artikels und einen Auszug aus den Kommentaren:

„Pilot sein und durch die Welt fliegen – ein gut bezahlter Traumjob. So besagt es jedenfalls das Klischee. Doch die Umstände haben sich geändert. Eine neue Studie der Universität Gent zeigt auf, wie dramatisch sich die Anstellungsbedingungen von Piloten in den letzten Jahren verschlechtert haben. Die Studie, an der mehr als 6000 Piloten teilnahmen, besagt, dass mehr als einer von sechs Piloten in Europa in einem sogenannten «atypischen» Beschäftigungsverhältnis arbeitet.“ (20 Minuten)

Auch dieser Artikel berichtet von neuen, gängigen Methoden, bei denen es sich in erster Linie, um Sparmodelle handelt. Das Sparen geht zu Lasten des Personals, aber – noch schlimmer – zu Lasten der Sicherheit, wie wir bereits in den letzen Beiträgen berichteten.

Die Studie bestätigt das Vorkommen solch gefährlicher Methoden und stellt diese nun auch an den Pranger. Gesetzliche Grauzonen ermöglichen es den Fluggesellschaften bestehende Arbeitsgesetzte zu umgehen, Anstellungen über Drittfirmen ohne Mindesteinkommen oder Sozialleistungen durchzuführen und natürlich die Scheinselbstständigkeit, das wohl gängigste Spar-Modell, wie die Studie herausstellte, zu fördern. Besonders bei den Billigairlines scheinen diese Methoden üblich. 70 Prozent der befragten Piloten, die angeben selbstständig zu sein, arbeiten für Billigairlines (besonders in den Fokus der Kritik stellt die Studie diesbezüglich die irische Ryanair und Norwegian Air Shuttle). Über die Hälfte der dort angestellten Piloten befinden sich derzeit in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Grund dafür sind insbesondre Schlupflöcher in der Rechtsordnung, welche Billigairlines zu ihrem Vorteil ausnutzen.

„Ein Beispiel: Ryanair arbeitet mit einer Firma namens Brookfield Aviation zusammen. Diese gründet wiederum kleine Firmen, in denen die Piloten als Direktoren arbeiten. Die Mini-Firmen wiederum schliessen dann Selbstständigen-Verträge mit Brookfield Aviation ab, in denen sie ihre Leistung, das Steuern der Flieger, verkaufen. Und Brookfield wiederum verkauft das weiter an Ryanair. Die Piloten arbeiten meist Vollzeit und unter schlechteren Bedingungen als Festangestellte. Von Selbstständigkeit kann keine Rede sein.“

Letztendlich wird bei den gefährlichen Sparmodellen genau an einer Sache gespart: An der Sicherheit. Die Studie stellte klar heraus, dass sich fast niemand der „Selbstständigen“ traut, dem „Arbeitgeber“ gegenüber Sicherheitsbedenken zu äussern (aus Angst den Job zu verlieren). Die Studienautoren plädieren an dieser Stelle, genauso wie wir Piloten, für globale Sicherheits-Standards, deren Durchsetzung eine Pflichtaufgabe der Politik ist. Es muss eine globale Einigung bezüglich maximalen Arbeitszeiten und minimalen Pausenzeiten geschaffen werden. Und damit sind wir wieder bei unserem Thema Fatigue. Aber auch die Piloten-Ausbildung soll strenger, endlich wieder staatlich unterstützt und global sicherer werden. Und natürlich die Arbeitsbedingungen im Allgemeinen – niemand sollte sich davor fürchten müssen den Job zu verlieren, dass er Sicherheitsbedenken nicht mehr ausspricht. Der Just Culture Ansatz (LINK) ist die Voraussetzung für mehr Sicherheit in der Luftfahrt und sollte überall fest verankert sein.

Der Artikel sorgte für eine enorme Diskussion, es wurden so viele Kommentare gepostet, dass seitens 20 Minuten ein Vermerk kam, dass das Maximum an Kommentaren erreicht wurde.

Doch wie ist die öffentliche Stimmung? Wie lassen sich all diese Kommentare zusammenfassen? Gibt es ein einheitliches Bild? Verstehen die Kunden mehr von Sicherheit und Zuverlässigkeit als das Management?

Anbei ein paar Auszüge der Kommentare:

wertschätzung vs billigbillig

Solange ich meinem vermögensverwalter den höheren lohn zugestehe, als den berufsleuten, denen ich mein leben anvertraue (piloten, lokführer, buschauffeure, etc), wird es wohl irgendwann einen riesen chlapf geben.

Hausgemacht 

Das ist eine der Konsequenzen wenn man für 50.- von Zürich nach London fliegen will… 

Aus der Traum

Ich arbeite in einem Immobilienbüro und musste vor kurzem die Bewerbung eines Piloten prüfen. Ich war schockiert, mit welchem Lohn diese Leute heute heimgeschickt werden. Die Geiz-ist-geil-Gesellschaft hat aus diesem Traumberuf eine Ruine gemacht. Die schlechten Arbeitszeiten, die hohe gesundheitliche Belastung und die riesige Verantwortung sind geblieben. Aber von der ehemals guten Bezahlung ist nichts mehr übrig. 

Globalisierung

Die Globalisierung ermöglicht diese Zustände. Staaten können nichts mehr reglen. Gewinner sind weltweit operierende Unternehmen. Und wir können für SFR 20 nach London fliegen. Einmal im Jahr. Ich fliege lieber sicher. 

Schlimm nicht nur bei Billigfliegern

Wenn die Leute wüssten, welch völlig heruntergekämpfte und übermüdete Piloten Menschen quer durch Europa fliegen, würde es alle erschaudern. Aber die EU erhöht die Dienstzeiten sogar noch. Sucht mal im Internet nach „Tim van Beveren“ und „Dienstzeiten“. Er hat schon einiges in den Medien dazu aufgezeigt!  

Profitgierige Airlines

Schnell wird dann bei Unfällen über die bösen Firmen hergezogen, die nur an Profit denken. Aber habt ihr schonmal daran gedacht, dass wir alle mitverantwortlich sind? Wir wollen Flüge die billiger als Zugfahrten sind und sind dann erstaunt, wenn an Sicherheit gespart wurde. 

Dann wundere dich nicht

falls dir einmal etwas in einem Flugzeug passiert. Es wundert mich so oder so, das bei diesen Billigairlines nicht öfters Unglücke passieren. Ich fliege zu 90% mit Swiss. Da fühle ich mich wohl und Sicher. 

Nur die sonnenseite sehe

Ja vielleicht arbeiten die Piloten heutzurtage nur am Boden. Doch passiert dann mal etwas, da wird die ganze Schuld auf den Piloten geschoben… Super von euch, dass ihr nur die Sonnenseite von diesem Beruf sieht…. Schlussendlich trägt der Pilot die Verantwortung und muss jede Entscheidung treffen.

Und die Sicherheit?

In Bezug auf den Komfort geb ich Dir natürlich vollumfänglich recht. Nur wenn bei der Sicherheit „gespart“ wird versteh ich diesbezüglich keinen Spass.

Ryanair

Bei Ryanair frage ich mich sowieso: Was macht eigentlich das Bundesamt für Flugsicherheit? Im Gegensatz zu den Piloten dauernd Pause! Als nächstes wird wohl der Selberflieger für jedermann kommen.

Piloten

Ich hoffe auch, die schlecht ausgebillten Piloten, bei den Billig airlines! Swiss for ever, da weiss ich, vorne sitz ein Pilot, der drusschunt!

nur Piloten??

Wacht doch mal auf ….. Glaubt ihr echt es sei nur so bei Piloten? Ich seh das in der Pflege jeden Tag… Schaut euch mal die Anzeigen an bei den ganzen „Drittfirmen“ die meistens nichts anderes sind als unsere tollen Rekrutierungs Gesellschaften…… Machen sich Geld auf dem Rücken der Arbeiter, schlechte Leistungen etc….. aber immer weiter so……

Die Kommentare zeigen, dass viele Menschen durchaus über die aktuellen Zustände in der Luftfahrt aufgeklärt sowie über die Arbeitsbedingungen informiert sind und ihnen das Ausnutzen nationaler Schlupflöcher einerseits sowie die riskanten Sparmodelle der Airlines andererseits als Gründe nicht unbekannt sind. Ausserdem scheint es in der Gesellschaft anzukommen, dass durch den enormen Wettbewerbsdruck und die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ die Sicherheit in Gefahr ist. Manche Passagiere setzen auf Qualitätsairlines, weil sie sich dort sicherer „und besser aufgehoben“ fühlen. Das soll auch weiterhin so bleiben.

Wir AEROPERS Piloten sind uns über die Risiken und Konsequenzen solch gefährlicher Sparmodelle bewusst. Wir werden daher weiterhin alles daran setzen, das Bewusstsein für die Konsequenzen solcher Beschäftigungsverhältnisse zu schärfen und die Politik und die Airlines dazu auffordern, ein strenges Regulatorium zu schaffen, welches Sicherheit für uns alle gewährleistet. Sparmodelle, die gefährliches und risikohaftes Verhalten begünstigen und fördern, müssen abgeschafft werden. Unser Ziel ist es die Gesellschaft dahingehend weiter aufzuklären und weiterhin für Sicherheit – seitens der Politik und der Airlines – in der Luftfahrt zu sorgen. Für uns AEROPERS Piloten stehen Sicherheit und Zuverlässigkeit immer an erster Stelle und wir werden weiterhin mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln für diese Werte kämpfen.


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