Verfasst von: aeropersredaktion | 04/03/2015

Haben die Piloten der Norwegian Air Shuttle nun endlich genug?

Lohnkürzungen, Pensionskürzungen, Bonuskürzungen und weniger Versicherungsleistungen (uvm.) – zusammengefasst eine enorme Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, denen sich die Piloten ausgesetzt sehen. Skandinavien, Vorreiter und Musterschüler in jedem Lehrbuch. Bekannt für eine blühende Wirtschaft, als PISA-Sieger mit einer auffällig hohen Beschäftigungsquote und steht für sichere Beschäftigungsverhältnisse sowie faire Arbeitsbedingungen. Anders sieht es wohl bei der Norwegian Airline aus.

Die Piloten der Norwegian Airline (Norwegian Air Shuttle) haben am Sonntag zum ersten Mal einen Streik veranlasst. Die Anzahl der Streikenden erhöht sich dabei drastisch. Von anfänglichen 70 Mitgliedern, die am Sonntag in den Streik zogen, soll dieser sich bis zu 700 Mitgliedern der Norwegian Pilot Union ausweiten, wenn sich die Wogen bis Mittwoch nicht glätten.

Das Management „beruhigt“ die Passagiere, dass sie über genügend Ausweichpersonal anderer Tochterfirmen verfügen, so dass der Flugplan so wenig wie möglich beeinträchtigt sein soll. Betroffen seien zunächst erst einmal nur die Kurzstreckenflüge innerhalb Europas. Die Piloten der Langstreckenflotte dürfen sich aktuell aufgrund der Rechtslage nicht an diesem Streik beteiligen. Sie arbeiten mit Verträgen aus Bangkok oder Singapur und haben dort keine mit Europa vergleichbaren Arbeitnehmerrechte, leider.

“We will do our best so that passengers aren’t affected and that no flights are cancelled during the weekend,” so Lasse Sandaker-Nielsen zu einer lokalen Rundfunkgesellschaft (NRK). Gleichzeitig betont er jedoch, dass die Passagiere doch den Flugplan und die Flugstreichungen bzw. -ausfälle im Auge behalten sollen, wenn sie sicher sein möchten, dass ihr Flug stattfindet.

Falsche Versprechungen, denn am Wochenende wurden einige Flüge gestrichen. Am Sonntag gab es dann zusätzlich einen starken Anstieg an Krankmeldungen seitens der Crewmitglieder. Das Management konterte mit Ersatzpersonal.

Wieso das nicht wirklich hilfreich ist:

Die European Transport Workers’ Federation (ETF) und der Pilotenverband sind sich einig: Gemeinsam warnen sie das Management davor, dass ein solcher Versuch, die streikenden Piloten einfach durch andere zu ersetzen, den Unmut gegen das Management der Norwegian Airline schüren und sich dadurch die Sympathie auf die Seite der streikenden Piloten schlagen wird. Wahrscheinlich werden sich die „Ersatz-Piloten“ am Ende mit den Streikenden zusammentun. 

Weiterhin sagt die ETF, dass in einer solchen Situation der Zusammenhalt besonders wichtig ist und sie von den europäischen Kollegen Hilfe erwarten können. Das Anliegen der (norwegischen) Piloten ist sehr ernst zu nehmen. Schon seit längerem steht das Management der Norwegian Airline und deren ausbeuterische Philosophie unter Beschuss der Öffentlichkeit. Nicht zuletzt wegen der Sicherheitsgefährdung, die solche Methoden mit sich bringt. Erinnern Sie sich bitte an die ECA-Studie, die den starken Zusammenhang und die gefährlichen Auswirkungen zwischen Ausbeutung und Sicherheit aufzeigt. Sicherheit und Zuverlässigkeit in der Luftfahrtbranche müssen stets an erster Stelle stehen, dafür stehen wir AEROPERS-Piloten ein.

Ein solch ausbeuterisches Geschäftsmodell, wie das der Norwegian Airline, fällt besonders im Kontext der generell sehr hohen skandinavischen Standards und der vorbildlichen Arbeitszufriedenheit völlig aus dem Raster. Was sind die Gründe dafür? Reine Sparmodelle oder der radikale, globalisierte und vermeintlich freie Wettbewerb? Welches Ergebnis in dieser Situation die derzeit laufende Zwangsschlichtung erbringen wird? Wir sind gespannt…..


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