Verfasst von: aeropersredaktion | 11/05/2015

Durch die Fernsteuerung einer Maschine wird das Problem nur verschoben

Als Konsequenz aus der Germanwings-Katastrophe hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) eine Art Fernsteuerung von Flugzeugen vorgeschlagen. In Notfällen könnten Flugzeuge vom Boden aus gelenkt und zur Landung gebracht werden.

Der Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS), Klaus-Dieter Scheurle, sagte dazu, dass die Technik zur Steuerung von Flugzeugen vom Boden aus bei Drohnen grundsätzlich vorhanden sei. Er wolle den Vorschlag in der nationalen Task Force zur Flugsicherheit gründlich diskutieren. Mit einer Umsetzung rechne er allerdings frühestens im nächsten Jahrzehnt, sagte Scheurle. Das Flugzeug werde dann auf einem sicheren Weg auf einem nahe gelegenen Flughafen automatisch gelandet. Scheurle verwies auf den Fall eines griechischen Flugzeugs, das im Jahr 2005 mit bewusstloser Besatzung abgestürzt war.

Auf den ersten Blick klingt das natürlich sehr positiv und verspricht erhöhte Sicherheit. Aber auch hier müssen alle, auch die negativen Konsequenzen bedacht werden. Denn auch ein Fluglotse könnte eine Maschine zum Abstürzen bringen, wenn das sein Vorhaben ist. Die Auswirkung durch den unbefugten, externen Zugriff auf ein Flugzeug ist gravierend. Insofern würde dieses Vorgehen das Problem nur verlagern: Vom Himmel zum Boden. Und auch für das Einschleusen von Attentätern bietet sich beim Bodenpersonal eine höhere Chance als im Piloten-Cockpit. Das Fliegen ist für solche Störungen sehr empfindlich, die Konsequenzen dabei fatal.

Letztendlich hat der Kapitän nach wie vor die legale Verantwortung für das Flugzeug, daher muss er auch die letzte Entscheidungsinstanz sein.

Im Zusammenhang mit dem Single European Sky haben wir in der European Cockpit Association daher ganz andere Vorstellungen als die vorgeschlagene Fremdsteuerung. In der neuesten Publikation der ECA (The Future of Flying in a Single European Sky, The Flight Deck Perspective) wird unter anderem gefordert:

“As the pilot-in-command of an aircraft remains responsible for the operation of the aircraft in accordance with the Rules of the Air, solutions that consider “flying the aircraft” from the ground shall be avoided.” (Mehr dazu) 

Es bedarf der Koordination beider Einheiten, der Boden- und der Luftsysteme.

Die Aufgabe der Piloten ist es, Flugzeuge zu manövrieren. Das Fliegen an und für sich ist kein Sicherheitssystem, sondern eine risikoträchtige Tätigkeit. Das Risiko und die Gefahren, die beim Fliegen entstehen,  versucht man, mit definierten Abläufen, Limiten und Techniken zu minimieren. Die Fluglotsen helfen, bei der heutigen Flugverkehrsdichte, das Risiko der Kollisionen zu vermindern. Sie haben aber keine selbständige Aufgabe (ähnlich einem Verkehrspolizisten, der ohne Strassenverkehr nicht gebraucht wird).

Fatal wäre es daher, die beiden Systeme (Boden und Luft) zu verwischen. Genauso fatal ist die Annahme, dass dadurch eine hundertprozentige Sicherheit möglich wäre. Die Lösung für ein Problem zieht oft ein anderes Problem nach sich. In diesem Sinne sollten wir überlegen, wie wir den Cockpit-Betrieb sicherer machen können, anstatt unterschiedliche Sicherungssysteme durcheinander zu bringen.

Ein wichtiger und richtiger Ansatz in diesem Zusammenhang ist es, die Piloten in ihrem Bestreben für Sicherheit und Zuverlässigkeit zu unterstützen, zum Beispiel mit Regulierungen zugunsten vernünftiger Arbeitsbedingungen anstatt weiteren Deregulierungen, die den Beruf nur noch für Personen interessant machen, deren höchstes Anliegen eben nicht Sicherheit und Zuverlässigkeit sind.


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