Verfasst von: aeropersredaktion | 29/09/2015

Kritik an der Norwegian

Die European Cockpit Association (ECA) weist abermals ausdrücklich auf die Risiken hin, was geschieht, wenn sich eine Airline für die falsche Richtung der Unternehmensführung entscheidet und inwiefern dies vor allem die Mitarbeiter, die Basis einer jeden Firma, betrifft.

Im Juli 2015 liefert eine Umfrage der Norwegian Pilot Group erschreckende Ergebnisse: die Hälfte der Piloten der Norwegian ist unzufrieden, darüber hinaus sehen sich 50% der Piloten langfristig nicht mehr in diesem Unternehmen. Ein Drittel der Befragten suchen schon aktiv nach einer neuen Anstellung, in der Hoffnung dort bessere Arbeitsbedingungen vorzufinden.

Die Ergebnisse der Norwegian Pilot Group (NPG) liefern also schlechte Nachrichten für eine Airline, die doch gerade vorhat, weiter zu wachsen und erfolgreich zu werden.

Wie kommt es zu einer solch besorgniserregenden Entwicklung?

Um aufzuzeigen, warum die Arbeitsbedingungen für die Norwegian Piloten wirklich schlecht sind, haben wir mal ein paar Themen, die sich aus der Umfrage herauskristallisiert haben, zusammengefasst. Dies nicht zuletzt, um zu zeigen, dass es uns Piloten in erster Linie nicht um das Salär geht, sondern um unsere Arbeitsbedingungen und unser Sozialleben, die sich durch unsichere Beschäftigungsverhältnisse negativ entwickeln.

Womit sind die befragten Piloten der Norwegian also unzufrieden?

Die atypischen Beschäftigungsverhältnisse

Während lediglich 2% der Beschäftigten von der Airline direkt angestellt sind, sind mit 94% der Piloten eine erdrückende Mehrheit lediglich über Tochterfirmen und Broker-Firmen beschäftigt.

Ein Grossteil der Piloten ist sich nicht einmal sicher, welchen grenzüberschreitenden, steuerlichen oder sozialversicherungsrechtlichen Status die Anstellung bei einer der Drittfirmen mit sich bringt. Dies berichteten 30% der Befragten. Daraus ergibt sich selbsterklärend, dass Piloten die Direktanstellung als die einzige Chance sehen, sich Rechtssicherheit und damit die Integration in das Sozialsystem einer funktionierenden Gesellschaft zu verschaffen – so wie dies andere Arbeitsnehmer in Europa als Selbstverständlichkeit erhalten. Eine feste Anstellung bei der Fluggesellschaft würde zudem auch die Loyalität und das Engagement für die Airline stark verbessern.

Ständiger Wechsel schlägt aufs Familienleben und ist sozialunverträglich

Weil die Norwegian 14 Basen in ganz Europa (in Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Spanien und London Gatwick) hat, kommt es immer wieder dazu, dass die Piloten unfreiwillig ihre aktuelle Basis verlassen müssen. Dies hat enorme Folgen für das Privatleben, insbesondere für die Familie. Hinzu kommt, dass die Reisezeit der Piloten heim zu ihren Familien einen Grossteil der wenigen Freizeit kostet – natürlich unbezahlt. Dies bedingt weitere finanzielle Belastungen, wie z.B. Pendler- und Übernachtungskosten, die selbst getragen werden müssen, was ein Zeichen geringer Wertschätzung seitens des Unternehmens darstellt. Dies fördert die Idee der Identifikation der Piloten mit der Airline in keiner Form.

Fast in jedem anderen Beruf würde so etwas unter Spesenrechnung fallen und in fast jedem anderen Beruf kann man auch den Arbeitsort flexibel wählen. Wir Piloten sind sowieso durch unseren Beruf schon viele Tage, Wochen und auf das Jahr gerechnet, Monate von unserer Familie, unserem Partner und unseren Kindern getrennt. Der Beruf des Piloten ist wahrscheinlich einer der sozialunverträglichsten, die es gibt.

Fazit dieser Umfrage ist, dass es aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen eindeutig an gegenseitigem Vertrauen und Respekt zwischen dem Management und den Piloten fehlt. Grundwerte wie Anerkennung, Wertschätzung und Vertrauen sind aber unabkömmlich, um jeden Tag eine gute Leistung abzuliefern, um weiterhin die Flugsicherheit für die Airline zu gewährleisten.

Wie möchte die Norwegian unter diesen Vorraussetzungen weiterhin als «guter Arbeitgeber» wahrgenommen und geschätzt werden? Aus unserer Sicht unmöglich – solange man nur und ganz allein auf die Ticketpreise schaut.

Im Hinblick auf ihre Expansionspläne sollte die Norwegian die aktuellen Arbeitsbedingungen Ihrer Piloten überdenken. Sie ist lediglich wettbewerbsfähig durch die Ticketpreise – aber nicht im Hinblick auf Piloten, die die Manager im Moment durch Zwang dazu „motivieren“, (weiterhin) für sie zu fliegen.

Eine Erfolgsgeschichte wie diese, hat nur wenige Kapitel und ist endlich. Da sind wir uns sicher.


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