Verfasst von: aeropersredaktion | 08/11/2011

Irrungen und Wirrungen in der Flughafenpolitik, denn wir wissen nicht, was wir nicht wissen…

Im Bachebülacher Mosaik (hier als pdf zum Download) vom Oktober 2011 argumentiert Gemeindepräsident Franz Bieger sehr nüchtern mit Zahlen, dass es keinen weiteren Ausbau des Flughafens Zürich braucht, was den scheinbar logischen Schluss nahelegt, man solle am 27. November mindestens einmal, wenn nicht zweimal Ja stimmen. Unter dem Titel „Irrungen und Wirrungen in der Flughafenpolitik“ will er eine Orientierungshilfe geben. Er zeigt auf, dass alle bisherigen Prognosen zur Flughafenentwicklung falsch waren und von zu hohen Wachstumsraten ausgingen. So versucht er zu beweisen, dass die heutige Kapazität des Flughafens auch noch in ferner Zukunft völlig ausreichend sei. Auf den ersten Blick hat er Recht. Aber nur auf den ersten…

Auf jeden zweiten Blick wird aber klar, dass Franz Bieger sich mit seiner Argumentation letztlich selbst widerlegt. Dass Prognosen falsch sind, ist nämlich normal. Das weiss man aus der Prognosenforschung, der Forschung über Prognosen. Eine richtige Prognose zu erstellen hat mehr mit Würfeln zu tun als mit seriöser Wissenschaft. Oder fährt irgendjemand mit einem nuklerargetriebenen Auto und ist der Mond schon kolonisiert?

Jedoch begeht Franz BIeger den gleichen Fehler, wie alle, die auf Prognosen vertrauen: er erstellt selbst eine Prognose. Diese ist es, die besagt, der Flughafen müsse sich nicht mehr weiterentwickeln und vertraut darauf, dass die Welt morgen genauso aussieht wie heute. Nun mag das im Hinblick auf die Himmelsrichtung stimmen, in der die Sonne aufgeht, aber sonst, und das wissen wir alle zu gut, verändert die Welt sich ständig.

Leben heisst Veränderung und Veränderung ist eigentlich die einzige Konstante unserer Zeit. Wissen Sie noch, wie es war, bevor wir Handys hatten? Es ist noch nicht lange her, aber damals konnte sich keiner vorstellen, wie sehr ein solch kleines Gerät unsere Gesellschaft verändern würde. Man musste sich zu festen Zeiten verabreden und dann auch daran halten. Man war nur zu Hause erreichbar und brauchte einen Anrufbeantworter.Und niemand konnte sich vorstellen, wir würden uns in naher Zukunft mit 160 Zeichen unterhalten, die auf einer solch kleinen Tastatur getippt wurden. Im vorletzten Jahrhundert gab es Menschen, die davon überzeugt waren, der menschliche Körper vertrage keine Geschwindigkeit über 30 km/h. Sie wollten verbieten, dass die Eisenbahn schneller fährt. Man stelle sich vor, sie hätten sich durchgesetzt…

Leben heisst Veränderung. Entwicklung und Wachstum zu verbieten, kommt so gesehen einem Todesurteil gleich. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Es wäre fatal, dem Flughafen zu verbieten, sich zu entwickeln und globalen Veränderungen anzupassen, von deren kommender Existenz wir heute nicht die geringste Ahnung haben. Weil wir grundsätzlich nichts über die Zukunft wissen.

Das einzige, was wir über die Zukunft ganz sicher wissen, ist, dass wir nicht wissen, was wir nicht wissen: „Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.“ (Isaac Newton)

In diesem Sinne gilt es, sich alle Optionen offenzuhalten. Auch bei einem 2 x Nein hat das Zürcher Stimmvolk auch in Zukunft die Möglichkeit, via Referendum über die Flughafenentwicklung mitzuentscheiden. Aber der Flughafen, der für unseren Wirtschaftsstandort so wichtig ist, hat wenigstens eine Chance, sich veränderten Situationen anzupassen, vielleicht neue Sicherheitssysteme einzuführen, von denen wir heute noch gar nichts erahnen. Werden hingegen die Initiativen angenommen, gibt es noch ganz andere negative Konsequenzen als nur die, dass der Flughafen sich nicht mehr entwickeln kann: die Deutschen werden noch mehr Druck machen, der Bundesrat wird darüber nachdenken, die Flughafenpolitik selbst zu bestimmen, und es werden viele Arbeitsplätze verloren gehen, und zwar nicht nur beim Flughafen, sondern auch im Tourismus und bei abhängigen Berufen wie Bäcker, Coiffeur, Handwerker usw.

Es geht in der Debatte weder um die Zuverlässigkeit bestimmter Prognosen noch um die aktuelle Leistungsfähigkeit des Flughafens. Es geht um eine prinzipielle Frage. Wollen wir einen Flughafen, der sich nicht mehr weiterentwickeln kann, egal wie die Zukunft aussieht, oder wollen wir das von Bieger viel beschworene Miteinander, in dem dem Flughafen wenigstens ein Minimum an Handlungsfähigkeit erhalten bleibt, immer mit der Referendumsmöglichkeit des Stimmvolkes?

Deshalb 2 x Nein am 27. November.

Demonstrieren Sie mit uns: www.2xNein.com


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