Verfasst von: aeropersredaktion | 27/12/2010

Hochgradig professionelle, aber unzuverlässige PR der Swiss führt die Öffentlichkeit hinters Licht

Wir sind stolz auf unsere Airline. Wie kaum eine andere, bietet sie ein professionelles Umfeld, in dem wir als Piloten arbeiten können. Das zeigt sich nun leider auch in ihrer Öffentlichkeitsarbeit. „Leider“, weil sie in den letzten Tagen Medien und Öffentlichkeit hinters Licht geführt hat, indem ihnen nur die halbe Wahrheit erzählt wurde. Dies nur, um die eigenen Fehler in ihrer Personalplanung zu vertuschen.

Unzuverlässige Kommunikation der Swiss
Zu den Hintergründen: am Donnerstag unterzeichneten wir mit dem Swiss-Management eine Zwischenlösung auf dem Weg zu einem neuen GAV. Wir könnten dies sogar als eine Notlösung bezeichnen, weil diese vor allem den reibungslosen Flugbetrieb für die nächsten drei Monate sicher stellen soll. In dieser Zeit soll weiter verhandelt werden können, ohne dass wir Arbeitskampfmassnahmen (Streik) ergreifen müssen. Da das Swiss-Management sich lange Zeit liess, sich überhaupt mit unseren Forderungen zu beschäftigen, wurde diese Zwischenlösung nun notwendig.

Gegenüber den Medien wurde dann anscheinend nur ein einziger von mehreren Punkten der Zwischenlösung kommuniziert und so dargestellt, dass wir Piloten uns bereit erklärt hätten, das Rentenalter auf freiwilliger Basis von 58 auf 60 zu erhöhen. Das ist kein eigentliches Zugeständnis der Piloten. Faktisch ist es sogar so, dass viele Piloten später in Rente gehen WOLLEN, denn die Leistungen der Pensionskassen sind heute nicht mehr so, dass man mit 58 ohne massive Einbussen in Rente gehen kann.

Umgekehrt hatte die Swiss immer ein Interesse an einem frühzeitigen Ruhestand der Piloten, denn die dienstältesten Piloten sind die teuersten Piloten. Die jetzt bekanntgegebene Regelung ist deshalb nicht nur die halbe Wahrheit.

Swiss machte Zugeständnis, nicht umgekehrt
Die Weiterbeschäftigung der teuersten Piloten beinhaltet ein Zugeständnis der Swiss, das diese jetzt nur machte, weil sie unter einem massiven Pilotenmangel leidet. Dieser besteht schon seit Jahren und entstand nicht zuletzt deshalb, weil die Arbeitsbedingungen so unattraktiv sind: Wenig und nicht planbare Freizeit, nicht zeitgemässe Entlöhnung, dafür hohe Verantwortung für die Sicherheit von hunderten von Passagieren bei jeden Flug.

Swiss unterschlägt namhaftes finanzielles Zugeständnis
Was die Swiss in ihrer Kommunikation offensichtlich völlig unterschlagen hat, ist eine respektable einmalige Zusatzzahlung. Kein Wort davon ist in den Medien zu finden, obwohl dies doch nun wirklich eine Meldung wert wäre. Auch dieses Zugeständnis seitens unserer Arbeitgeberin ist ein Ausdruck ihrer Personalnot bei den Piloten.

Weitere Punkte unterschlagen
Um die Liste zu vervollständigen, hier alle Punkte der Zwischenlösung:

  • Swiss bezahlt den Piloten im Januar einen einmaligen Pauschal- Betrag von total CHF 4.5 Mio
  • Freiwilliges Weiterarbeiten über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus bis maximal 60 ist möglich
  • Einstellung von maximal 20 „Direct Entry“ Piloten, welche direkt auf A330 eingesetzt werden
  • Mehrbestand durch P58+ und Direct Entries werden zur Hälfte für Arbeitserleichterungen verwendet
  • Nicht  bezogene Ferientage des laufenden Ferienjahres werden mit CHF 100 brutto pro Ferientag entschädigt
  • Nicht bezogene Ferien aus früheren Jahren können auf Wunsch an die Firma verkauft werden
  • Bestimmungen aus dem GAV 2006 werden bis 31. März angewendet

  • Responses

    1. […] 27. Dezember hatten wir darüber informiert, wie die Swiss mit einer hochprofessionellen PR die Öffentlichkeit […]


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