Verfasst von: aeropersredaktion | 29/12/2010

GAV-Verhandlungen werden Unterstützung durch das Korps benötigen

Im Kurzinterview in der jüngsten Rundschau, das wir hier präsentieren, bezieht unser ehemaliger AEROPERS-Präsident klar Stellung und fordert das Korps zur Unterstützung auf. Vor dem Hintergrund der PR unserer Arbeitgeberin zur ausgehandelten Zwischenlösung, gewinnt diese Forderung eine neue Aktualität und Wichtigkeit.

Unser ehemaliger AEROPERS-Präsident stellt seine Erfahrung zur Verfügung und verstärkt das GAV-Verhandlungsteam. Es sei eine harte, sachliche Auseinandersetzung mit der Swiss, die aber auch noch das Engagement des Korps fordern werde, so Frauenfelder.

Fragen: Jürg Ledermann

«Rundschau»: Christian, Du hattest Deinen letzten «grossen» Auftritt an der Generalversammlung 2008. Du hast das AEROPERS-Präsidium abgegeben und musstest das knappe Nein zum GAV08 hinnehmen. Deine Verbandskarriere ging mit einem negativen Paukenschlag zu Ende, und es wurde still um Dich. Wie ist es Dir in den letzten zweieinhalb Jahren ergangen?

Christian Frauenfelder: Mir ging es sehr gut. Ich habe mein Privatleben und noch zwei unbeschwerte Jahre ohne Stress auf der Langstrecke genossen und danach Ende 2009 mein Upgrading abgeschlossen. Mein Rücktritt war ja freiwillig und die Abstimmung zum GAV08 ein demokratischer Entscheid, für mich also nicht unerwartet und somit auch kein Paukenschlag. Bedauert habe ich nur, dass nach der Ablehnung des GAV08 trotz grosser Versprechungen politischer Stillstand herrschte.

«RS»: Wie ist es dazu gekommen, dass Du als Externer im Verhandlungsteam bist? Was hat Dich dazu bewogen, Dich wieder zu exponieren?

C.F.: Der Präsident der AEROPERS, Rolf Odermatt, hat mich im Frühjahr angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Mitglied des GAV-Verhandlungsteams zu sein. Nach einer kurzen Bedenkfrist und einem eingehenden Gespräch mit dem Vorstand habe ich zugesagt. Bewogen, mich noch einmal zu exponieren und zu engagieren, hat mich die Überzeugung, dass ich mit meiner Erfahrung dem Verband – und somit letztlich auch mir – bei den GAV-Verhandlungen nützen kann.

«RS»: Was sagst Du den Kollegen, die den Vertrag 2008 damals ablehnten, um Dich abzustrafen, und Dich nun wieder im Verhandlungsteam sehen?

C.F.: Kollegen, die den GAV08 nur wegen mir ablehnten, kann ich nur sagen, «selber schuld». Von einem ausgebildeten Swiss-Piloten erwarte ich, dass er die Sache von der Person trennen kann. Ansonsten ist der GAV08 Vergangenheit, und jetzt geht es um die Zukunft.

Ich bin nicht angetreten, um den GAV08 neu zu verhandeln. Ich will deutlich mehr. Genauso sieht es auch der Vorstand. Dies wird sicher nicht einfach, gilt es jetzt doch, alle Verbesserungen in einer Verhandlungsrunde zu erkämpfen. Ich bin bereit, meinen Anteil dazu zu leisten. Ob dies alleine über Verhandlungen möglich sein wird, bin ich mir nicht sicher. Ich erwarte grossen Widerstand seitens der Swiss. Um den zu überwinden, braucht es die Entschlossenheit und Geschlossenheit des gesamten Korps. Die Swiss wird nur das Nötigste geben wollen, wir wollen das Möglichste. Erreichen können wir dies nur, wenn die Swiss sich einem geschlossenen Korps gegenübersieht, dem sie mehr als nur grosse Worte zutraut. Und dies erwarte ich: ein Korps, das bereit ist zu kämpfen.

«RS»: Wie kannst Du das Verhandlungsteam unterstützen?

C.F.: Ich kann meine langjährige Verhandlungsund Verbandserfahrung einbringen, sei dies auf der Prozessebene oder bei strategischen beziehungsweise taktischen Entscheiden. Ausserdem kenne ich die meisten Schlüsselpersonen auf der Swiss-Seite persönlich.

«RS»: Welche Aufgabe hast Du im Team? Wie bist Du eingebettet?

C.F.: Ich bin vollwertiges, gleichberechtigtes Verhandlungsmitglied. Spezielle Aufgaben ergeben sich in den Verhandlungen. Die Verhandlungsführung liegt beim Geschäftsführer Henning Hofmann.

«RS»: Welche Kompetenzen hast Du?

C.F.: Bezüglich Verhandlungen die gleichen wie die anderen Vorstandsmitglieder. Einzig bei internen Abstimmungen – sprich Vorstandsbeschlüssen – habe ich keine Stimme, da ich kein gewähltes Vorstandsmitglied bin.

«RS»: Du hast eine grosse Erfahrung in GAV-Verhandlungen. Inwiefern hat sich der Ton am Verhandlungstisch in den letzten Jahren verändert?

 

C.F.: Abgesehen von der «Kindergartenzeit» mit dem ehemaligen Crossair-Management überhaupt nicht. Es herrscht eine professionelle Streitkultur. Der Ton ist wie immer hart in der Sache. Manchmal auch laut und emotional. Es herrscht beidseitige Übereinstimmung, dass auch in heissen Phasen auf die Sachargumente und nicht auf die Person selber «scharf geschossen» werden sollte.

«RS»: Du siehst einen Vorstand an der Arbeit, bei dem nur zwei Kollegen aus Deiner Zeit als AEROPERSPräsident stammen. Wie erlebst Du das neue Team?

C.F.: Hart arbeitend und aufs Beste bedacht für den Verband und die Mitglieder.

«RS»: Bist Du während der Verhandlungen auch in anderen Funktionen, zum Beispiel in der Pressearbeit, für die AEROPERS aktiv?

C.F.: Nein. Meine Funktion beschränkt sich auf das Verhandlungsteam. Wenn ich jedoch um meine Meinung gefragt werde oder sich die Situation ergibt, gebe ich gerne meine Erfahrung weiter. Die Verantwortung für das Auftreten nach aussen liegt alleine beim Vorstand.


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